Skalierbarkeit, Skaleneffekte und skalierbare Geschäftsmodelle machen aus deinem Business einen Superhelden

Skalierbarkeit – Die Kunst des „mehr mit weniger“

Skalierbarkeit, Skaleneffekte und skalierbare Geschäftsmodelle machen aus deinem Business einen Superhelden
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Skalierbarkeit: Wenn “Liebling ich habe die Kinder geschrumpft” zur Basis des eigenen Geschäftsmodells wird. Oder auch die Frage:

Was haben Apple, Facebook, Google und Amazon gemeinsam?

Sie verändern im Alleingang globale Märkte und in gewissem Maße die gesamte Welt. Sie sind skalierbar. Sie leben und atmen Skalierbarkeit. Und vereinen so mehr Wert in sich als ganze Länder.

Skalierbarkeit und Weltmacht
Quelle: https://www.visualcapitalist.com/how-tech-giants-make-billions/ Abgerufen am 12.06.2020

Sie sind mit ihren revolutionären und oftmals disruptiven Ansätzen zu den größten Marken der Welt und den ersten „Trillion-Dollar-Businesses“, den ersten Firmen mit milliardenschwerden Markatkapitalisierungswerten aufgestiegen.

Skalierbare Geschäftsmodelle zu verstehen ist ein Schlüssel um Skalierbarkeit selbst anzuwenden
Quelle: https://www.nytimes.com/2020/01/16/technology/google-trillion-dollar-market-cap.html Abgerufen am 12.06.2020
Was skalierbar bedeutet wird in diesem Ranking gut sichtbar
Quelle: https://www.forbes.com/powerful-brands/list/#tab:rank Abgerufen am 12.06.2020

Und das obwohl sie nicht hunderte von Jahren alt sind… (Oder Vorgängerfirmen haben, welche so alt sind)

Im Gegenteil:

…Und keine Millionen von Mitarbeitern haben: (Aber dafür einen oftmals sehr hohen Gewinn pro Mitarbeiter)

Skalierbare Geschäftsmodelle zeichnen sich oft durch weniger Mitarbeiter aber zeitgleich mehr Gewinn pro Mitarbeiter aus
Quelle: https://howmuch.net/articles/companies-trillion-dollar-club Abgerufen: 12.06.2020

Es ist keine allzu gewagte These zu sagen das „GAFA“ das Leben von Milliarden Menschen täglich direkt oder indirekt beeinflusst.

Aber: Wie haben sie das geschafft?

Was macht diese Firmen so unglaublich erfolgreich? Was lässt sie mit weniger Mitarbeitern ungleich mehr schaffen? Und wie schaffen sie all das in wenigen Jahren bis Jahrzehnten?

Einen Teil der Antwort schauen wir uns jetzt hier an.

Die Magie hinter diesen dominierenden Playern besteht aus zwei Worten:

  1. Skalierbarkeit
  2. Disruption

Und um das erste der beiden geht es in diesem Artikel.

Das Skalierbarkeit nicht nur von Milliarden- oder Billiardenunternehmen eingesetzt werden kann, sondern sogar von Einzelpersonen in weniger als einer Stunde am Tag, dass und vieles mehr in den nachfolgenden Zeilen.

Ich entzaubere und erkläre in diesem Artikel einen der für viele sehr mysteriösen Effekt der digitalen Transformation. Eine der zentralen Eigenschaften  von Disruption und disruptiven Innovationen.

Was es mit Skalierbarkeit auf sich hat, warum skalierbare Geschäftsmodelle aus verschiedenen Gründen sehr sinnvoll sein können und welche Arten von Skaleneffekten es gibt: Jetzt hier.

Wir fangen dabei von ganz oben bei der Theorie an. Und arbeiten uns dann über Praxisprinzipien- und Voraussetzungen vor bis zur konkreten Anwendung für verschiedene Fälle. Abgerundet wird das Ganze durch ein paar Fallstudien, bzw. deren Beschreibung angelehnt an umgesetzte Projekte.

 

In 6 einfachen Schritten zur Skalierbarkeit der eigenen Unternehmung

Wir gehen dabei systematisch vor:

Skalierung, Skalierbarkeit, Skaleneffekte und skalierbare Geschäftsmodelle in 6 einfachen Schritten verstehen und anwenden

Die ersten beiden Schritte erledigen wir hier in diesem Artikel gemeinsam. Die restlichen 4 gehören dann ganz dir allein. (Bzw. auch uns, wenn du dabei mit mir zusammenarbeiten möchtest)

Aber genug der Einleitung, legen wir los!

I

Was bedeutet „skalierbar“?


Fangen wir also systematisch am Anfang an. Was bedeutet Skalierbarkeit?
Um uns dieser Frage bestmöglich anzunähern, beginnen wir mit einer Definition. Und zwar einer, die so einfach und runtergebrochen wie irgend möglich ist. Im Optimalfall nahe an den Naturgesetzen. Geht das? Let’s see:

Eine Skalierbarkeits-Definition in 3 Akten

Wenn man sich tiefer mit dem Thema auseinandersetzt, findet man sehr viele Ansätze für eine Skalierbarkeits-Definition. Die einen betrachten das Ganze aus der Perspektive der klassischen Wirtschaft, die nächsten vor allem vom Standpunkt des Venture-Capitals und wieder andere aus Sicht der Informatik.
Daher versuche ich die Basis all dieser Definitionsversuche zu bilden. Indem ich mich über die Physik anpirsche. (im weiteren Sinne) Aber systematisch. Maximal heruntergebrochen bedeutet Skalierbarkeit:

  • (Potenziell exponentielles) resultierendes Wachstum entkoppelt von eingesetzten Ressourcen (Zeit, Geld, Arbeitsstunden, Maschinen etc.).
  • Je stärker diese Entkopplung, desto skalierbarer.
  • Ganz allgemein gesprochen ist Skalierbarkeit also die Entkopplung des Verhältnisses von Input zu Output. (Bzw. Leistung pro Zeit.)

Skalierbarkeit ist also ein Hebel. Oder, wie Archimedes es ausgedrückt hat:

"Gebt mir einen Hebel, der lang genug, und einen Angelpunkt, der stark genug ist, dann kann ich die Welt mit einer Hand bewegen."

Archimedes

(287 - 212 v. Chr.), griechischer Physiker, Mathematiker und Mechaniker

Weitere Verständnis- und Definitionsansätze zur Skalierbarkeit:

  1. Entscheidungshilfe bzw. Indikator für Finanzierungen von Investoren
  2. Qualitätsverlustfreie Veränderung (Vergrößerung oder Verkleinerung) bei gleichen Proportionen.
  3. Zentrale Maßnahme für maximale Profitabilität in Höhe und Dauer.
  4. Wachstum ohne überproportional großen Mehraufwand.
  5. Ausdehnung von Lösungen, also Produkten und Dienstleistungen, auf neue Märkte ohne (relativ betrachtet) große neue Kosten.
  6. Fähigkeit erhöhte Volumen zu übernehmen ohne signifikante Auswirkungen auf Deckungsbeitrag.
  7. Freiheit „Aufwand“ und „Preis“ beliebig und flexibel anpassen zu können.
  8. Umsatzsteigerung nach Anfangsinvestitionen, ohne (signifikante) Neuinvestitionen.
  9. Eigenschaft eines Geschäftsmodells.
  10. Nicht nur Einsatz in größerer Skala, sondern explizite Nutzung der Vorteile durch größere Skalen.
  11. Zeit-Rendite (Erzielter Umsatz pro investierter Zeiteinheit)

Weitere interessante Definitionsansätze sind in hier zu finden.

Hilfreiche Synonyme und Metaphern

Synonyme und Schlüsselwörter für Skalierbarkeit können, je nach Kontext zum Beispiel sein:

  • Adaption
  • Wachstum
  • (Echtzeit)Reaktion
  • Veränderung
  • Anpassung
  • Effizienz
  • Größenveränderung
  • (stetige) Expansionsfähigkeit (Vor allem in der BWL)
  • Bekanntheitsgrad
  • Nachfrage
  • Ausweitung
  • (Globale) Markteroberung- / Durchdringung
  • Automatisierungsgrad & Automatisierbarkeit
  • Potenzial
  • Digitalisierung
  • Digitale Transformation
  • Investorenattraktor
  • Verhältnis
  • Relation
  • Explosions- / Entkopplungsfähigkeit

Das Grundverständnis von Skalierbarkeit

Skalierbar bedeutet Bits statt Atome. Sobald etwas dematerialisiert wird, bekommt es meist gute Chancen skalierbar zu werden. Einfach aufgrund der Eigenschaften von Information im Gegensatz zu Materie:

Information

  • (nahezu) masselos
  • Netzwerkeffekte können auftreten
  • (nahezu) kostenlos kopierbar in perfekter Qualität
  • Instantan zustellbar
  • Knotenpunkteffekte können auftreten
  • Präzise und automatisiert Messbar

Materie

  • Massereich
  • Kopierbarkeit benötigt nahezu 1:1 die gleichen Ressourcen
  • Bewegungsgeschwindigkeit ist limitiert
  • Benötigt zur Messung zusätzlichen Aufwand

Oder anders formuliert:

Skalierbarkeit kommt durch die Andersartigkeit von Information im Vergleich zu Materie zustande.

Klingt immer noch ziemlich abstrakt oder? Machen wir es konkret anhand des zentralen Unterschiedes welcher die Hauptursache für Skaleneffekte ist. Die oben genannte Masse bzw. Masselosigkeit. Welches Beispiel könnte besser dazu geeignet sein als das Weltwissen selbst? Starten wir also mit zwei einfachen Fragen:

  1. Wie viel wiegen alle Bücher der Welt?
  2. Wie viel wiegt das Internet?

Wie schwer sind alle Bücher der Welt?

Macht also mehr als 44.154 Tonnen Bücher. Und da sind Filme auf physischen Speichermedien, Bilder (nicht zu verwechseln mit digitalen Fotos), handschriftliche Notizen etc. gar nicht mit hinzugezogen.

Wie viel wiegt das Internet?

In kurz: Das Internet wiegt etwa 50 Gramm. Soviel wie eine handelsübliche Erdbeere. Wie man auf diese Messung kommt und was sonst noch dahintersteht, erfährst du in diesem spannenden Video:

Das ganze ist natürlich nur eine sehr grobe Annäherung für unsere Zwecke, weil einerseits das Internet ungleich mehr Informationen enthält, Informationen viel schneller generiert werden etc.

Aber als erste Wegmarkierung gut brauchbar.

Machen wir es noch konkreter. Anstatt uns die gesamte Fülle an Wissen in unterschiedlichen Formen anzuschauen, stellen wir zwei alltagsbekannte Dinge gegenüber:

Eigenschaften

🔩

  1. Zustellungsdauer
  2. Gewicht
  3. Haltbarkeit
  4. Reproduzierbarkeit
  5. Verlustwahrscheinlichkeit
  6. Sicherheit
  7. Nutzbarkeit

E-Mail
📧

  1. Instantan.
  2. Nahezu nichts. (Wer es genau wissen möchte: Etwa 8 Milliarden Elektronen oder, ich zitiere: “two ten thousandths of a quadrillionth of an ounce.”)
  3. Prinzipiell unendlich. (Je nach Speichermedium)
  4. Sofort und nahezu kostenlos.
  5. Abhängig vom Speicherort und etwaigen Sicherungen.
  6. Stetig verbesserbar, je nach eingesetztem Algorithmus.
  7. Prinzipiell unendlich. (Again, je nach Speichermedium)

Brief
✉️

  1. Zwischen einigen Stunden und einer unberechenbaren Unendlichkeit.
  2. Basierend auf dem Namen “Standardbrief” nehme ich an wiegt der durchschnittliche Brief etwa 20 Gramm.
  3. Begrenzt.
  4. Selbe Herstellungsdauer- und Kosten.
  5. Hoch.
  6. Verbesserbar aber schnell an einer Grenze.
  7. Begrenzt.

Dieser direkte Vergleich zeigt eine Vielzahl der Vorteile die zur Skalierbarkeit führen. Wir halten also folgendes fest: Skalierbar = Daten = Information.

Wo ist Skalierbarkeit von Relevanz?

  • In der IT (Fähigkeit der unterbrechungsfreien und nahtlosen Anpassung an neue Anforderungen wie z.B. mehr Seitenzugriffe pro Stunde)
  • Im Webdesign (z.B. bei der Responsibilität)
  • Bei der Programmierung (Das geht schon bei der gewählten Sprache los)
  • In der Kunst (z.B. Bilder, Videos oder Schriftarten verlustfrei vergrößern- und verkleinern)
  • Bei Kryptowährungen wie Bitcoin (Kann die Kryptowährung mit 1.000 Kunden so gut umgehen wie mit 1.000.000?)
  • Im agilen Projektmanagement (Teameffizienz [nahezu] unabhängig von der Teamgröße “Scrum of Scrums”)
  • In BWL und Wirtschaft (Bis hin zur “Skalenwirtschaft” wie in dieser OECD-Präsentation ausgeführt)

… Und warum? Vor- und Nachteile hoher Skalierbarkeit & skalierbarer Geschäftsmodelle:

Nachdem wir nun Skalierbarkeit von oben bis unten durchleuchtet haben, zum Schluss nochmal ein Überblick zu den Vor- und Nachteilen skalierbarer Geschäftsmodelle bzw. von Skalierbarkeit generell.

Vorteile:

  1. Verhältnismäßig geringer Verlust im Verlustfall. (Büro vs. Fabrik)
  2. Sehr sicher im Notfall. (wenn Daten in gespiegelten Zentren liegen kann nach wenigen Stunden weitergemacht werden, anders als wenn eine Fabrik abbrennt)
  3. (Nahezu) Kostenlose Reproduktion von Produkt und Modell. (Je nach Modell und Digitalisierungsgrad)
  4. Nahezu vollkommene Automatisierbarkeit. (Je nach Skalierungsgrad)
  5. Möglichkeit virtueller Arbeitsteilung. (Selbst zur Erstellung digitaler Produkte benötige ich die Beteiligten nicht zwingend in meiner geografischen Nähe. Dank Tools wie Google Docs können alle dezentral arbeiten)
  6. Weniger Umweltzerstörung. (je nach Modell)
  7. Geringe(re)s Risiko zu jeder Zeit. (Vom Beginn bis hin zu großen Investitionen)
  8. Mehr Umsatz bei (nahezu) gleichbleibenden Ausgaben.
  9. Weniger Fallen und Stolpersteine bei der Unternehmensplanung.
  10. Geringe Fixkosten.
  11. Enormes Expansionspotential in weniger Zeit.
  12. Sehr gute Wettbewerbsfähigkeit. (teilweise sogar von Einzelpersonen und Kleinstgruppen mit großen Unternehmen und Unternehmensstrukturen dank technologischen und automatisierenden Hebeln)
  13. Möglichkeit nahezu instantaner Reaktion auf Nachfrage-, Markt- und Wettbewerbssituation und alles sich daraus ergebende.
  14. Allgemein eine hohe Flexibilität.
  15. Entstehendes Wissen als eigenes Asset, da Prozesse optimiert und standardisiert werden.
  16. Ggf. Vergrößerung der Marge bei steigendem Umsatz.
  17. Nach dem Start keine größeren Anlageinvestitionen mehr notwendig. (Je nach Modell)
  18. Interessant(er) für Investoren, da deren Anteile und Rechte nicht durch andere, später hinzukommenden Investoren verwässert werden.
  19. Hohe Profitabilität.
  20. Verbesserungen und Veränderungen am Produkt können sehr schnell und für nahezu alle Kunden zeitgleich umgesetzt werden.

Nachteile:

  1. Leicht(er) kopierbar. (Die oben genannten Vorteile gelten selbstredend nicht nur für mich allein)
  2. Von überall aus angreifbar. (Konkurrenz ist global statt lokal)
  3. Jederzeit angreifbar. (Die Welt schläft nie)
  4. Kann schnell ins reine „Geldverbrennen“ abgleiten wenn mein Modell skalierbar aber nicht zeitgleich profitabel ist. (Dann skaliere ich lediglich Verluste. Wenn auch nicht im selben Maße wie eine analoge Alternative)
  5. Softwareabhängig und unter Umständen Partnerabhänhig. (Wenn meine Software spinnt oder mein Partnerunternehmen angegriffen wird, kann es mir ohne Backup meine digitale Lösung zerlegen)
  6. Bei falscher Skalierung geht unter Umständen viel Umsatz verloren.
  7. Bis zum “Proof of Concept” kann es sehr unrentabel sein. (Gerade zu Beginn)
  8. Fehlende Individualisierung. (Je nach Modell)

Gut auf den Punkt gebracht hier:

“Bedeutungsvoll wird das [der Skalierbarkeit] Konzept dann, wenn ein Start-Up innerhalb kürzester Zeit eine große Nachfrage spürt und sich über das Wachstumspotential freut. Aber erst wenn das Unternehmen mit diesem Potential umgehen und mit der Nachfrage skalieren kann, wird es ihnen gelingen, einen Markt einfach aufzubauen bzw., sich am vorhandenen Markt zu bedienen. Wenn es dem Unternehmen jedoch verwehrt bleibt zu skalieren, verliert es stark an (potentiellen) Umsätzen und Wachstum(schancen).”

Quelle: https://www.ordat.com/erp-lexikon/skalierbarkeit Abgerufen 16.06.2020

Ich denke wir können uns also darauf einigen, dass Skalierbarkeit ein Konzept ist, mit dem es sich eine tiefergehende Auseinandersetzung lohnt. Fangen wir bei den elementaren Grundprinzipien an:

Die 3 wichtigsten Prinzipien der Skalierbarkeit

Nachdem wir das Fundament der Skalierbarkeit hinreichend gelegt haben, kommen wir zu den drei zentralen Schlüsselelementen dieser:

  1. Skalierbarkeit ist prinzipiell möglich. (Heißt: Gibt das Geschäftsmodell Skalierbarkeit überhaupt her? Lösungen falls dies gerade das Problem ist: Experimentieren, Erweitern und zielgerichtet in Richtung digital entwickeln)
  2. Skalierbarkeit kann umgesetzt werden. (Heißt: Sind Team & Softskills des Teams Skalierungs-gebildet? Verstehen sie was wann zu tun ist und können die notwendigen Entscheidungen kompetent treffen? Lösungen falls hier der Flaschenhals ist: Teambuilding, Coaching, gemeinsame Weiterbildung, Umbau der Teamstrukturen. Die beste dazu mir bekannte Expertin im deutschsprachigen Raum ist Silke Fritzsche)
  3. Skalierbarkeit wird nachgefragt. (Heißt: Existiert überhaupt ein Markt der Skalierbarkeit zulässt? Existiert überhaupt ein Markt oder habe ich eine Lösung ohne tatsächliches Problem entwickelt? Mögliche Lösungsansätze falls nicht: Blue Ocean Strategy, Design Thinking, SEO-Recherche, LEAN arbeiten, Buyer Persona und Customer Journey nutzen etc.)

Wenn einer oder mehrere dieser zentralen Pfeiler nicht gegeben ist, kann ich mir den gesamten Rest sparen. Falls hier bereits die Probleme beginnen: Ich führe alle Lösungsansätze weiter unten noch aus. Und wenn das auch nicht ausreicht, gibt es immer noch meine Webinare 😉

 

Voraussetzungen für Skalierbarkeit

 

Damit ein Geschäftsmodell skalierbar ist, werden im Allgemeinen folgende Dinge betrachtet:

  • Geringes Anlagevermögen zu Beginn (Ein Laptop, ein Stift und ein Zettel sind besser als eine Fabrikanlage um ein Unternehmen zu starten)
  • Geringe Fixkosten (im Verhältnis zu den Gesamtkosten) und demnach
  • Hoher Anteil variabler Kosten
  • Effektive Marketing- und Vertriebsoptionen (Im Bestfall ebenfalls digital)
  • Expansionfähigkeit (Prinzipiell schnell weltweit einsetzbar statt nur lokal zentriert)
  • Hohe Automatisierung und Standardisierung (Je genormter desto besser und günstiger überall einsetzbar)
  • Keine (oder hohe) Kapazitätsgrenzen (Potenziell gibt es sieben Milliarden Kunden, du erinnerst dich?)
  • Zeit- und Ortsunabhängigkeit (Egal ob du schläfst oder im Urlaub bist, du möchtest das dein Geschäft die ganze Zeit ohne dich weiter funktioniert)
  • Kundenvernetzend (Kunden lösen gegenseitig Probleme bzw. schaffen eigenen Mehrwert)
  • Knotenpunktunabhängig (Dein Geschäftsmodell sollte keine begrenzenden Flaschenhälse haben. Also zum Beispiel zwingend Maschine xyz voraussetzen oder unbedingt Person abc benötigen)

Und damit sind wir direkt bei der vertikalen und horizontalen Skalierung.

Vertikal bedeutet mehr Output aus den gleichen Ausgangspunkten. In der Informatik wird dabei gern der Computer genutzt, der eine bessere Platine oder mehr Speicherplatz bekommt. 

Horizontal bedeutet mehr Output durch mehr Ausgangspunkte. Also statt einem Rechner nun dank vier oder zehn Rechnern.

Im digitalen geht beides, wichtig ist allerdings auch hier wieder: Der Output muss disproportional zum Input steigen damit es skalierbar ist. Schauen wir uns ein paar dieser digitalen Möglichkeiten an:

Horizontale und vertikale Skalierbarkeit
Vertikale Skalierbarkeit - Scale Up

Skalierbarkeit durch Qualitätszuwächse – Vertikale Skalierung

Beispiele hierfür könnten sein:

Die eigene Webseite durch Suchmaschinenoptimierung aufwerten bzw. verbessern. Das könnte konkret einerseits durch Onpage-SEO erfolgen: Gleiche Webseite aber bessere Optimierung durch z.B. die Wahl besserer / mehr Keywords / überhaupt welche. Dies führt bei sonst selben Ausgangsbedingungen zu mehr und qualifizierteren Zugriffen.

Das Ganze kann aber auch Offpage erfolgen: Durch bessere bzw. hochwertigere Backlinks zur gleichen Seite welches ebenfalls die Seite und Ihre Wirkung ausweitet obwohl sonst nichts verändert wurde.

Ein weiteres Beispiel könnte künstliche Intelligenz sein, welche durch Chatbots, automatisierte Assistenten oder Echtzeitübersetzung den Wert meiner Leistung verbessert ohne das ich sonst etwas an der Leistung selbst getan habe.

Allgemein gesprochen kann man hier sagen jede Inputunabhängige Aufwertung auf Datenbasis fällt unter die Kategorie vertikale Skalierung.

Horizontale Skalierbarkeit - Scale out

Skalierbarkeit durch Quantitätszuwächse – Horizontale Skalierung

Wir bleiben beim Beispiel eigene Webseite. Denn wir wir alle wissen ist diese immer zentraler da sie oftmals der erste Kontaktpunkt potenzieller Kunden mit dem eigenen Angebot ist.

Horizontale Skalierung wäre hier zum Beispiel durch ein Content Delivery Network (CDN) möglich. Dieses sorgt nicht nur dafür, dass meine Kunden ortsunabhängig schneller zu mir kommen, sondern zeitgleich auch noch dafür, dass meine Seite sicherer gegen Ausfälle ist.

Ein weiteres Beispiel wären hier autoskalierende Lösungen wie Amazons AWS, welches in Echtzeit Leistung in Abhängigkeit der momentanen Nachfrage zur Verfügung stellt. Bricht sonst mein Server bei 100.000 Anfragen pro Sekunde zusammen, stellt Amazon blitzschnell genug Serverpower zur Verfügung um diese Spitze abzufangen. Und das ganze geschieht automatisch und auf Algorithmenbasis.

 

Die 6 wichtigsten Arten von Skalierbarkeit

Auch bei der Klassifizierung von Skalierbarkeit schlägt das Trivium wieder zu. Und diesmal gleich im Doppelpack. Und auch hier kommen die ursprünglichen Bedeutungen aus der IT, helfen aber auch im wirtschaftlichen Kontext sich besser zurecht zu finden. Deshalb hier zu jedem der zentralen Elemente ein Triplett aus Erklärung und Beispielen.

1. Lastskalierbarkeit

  • Bedeutung: “Performanz unter Erhöhung der Belastung” = Leistung / Output bleibt unabhängig von der Belastung des Systems gleich.
  • Beispiel für Lastskalierbarkeit in der IT: Oftmals ist der (sprunghafte) Anstieg von Nutzerzahlen das Musterbeispiel hier. Wie bei einer drastischen Mehrzahl von Serveranfragen bei einem Produktlaunch im Vergleich zum “Normallevel”.
  • Beispiel für Lastskalierbarkeit in der Wirtschaft: Kaufmannsläden vor einem beliebigen Feiertag. In den direkten Hochzeiten vor einem solchen Feiertag entstehen mitunter lange Schlangen, da alle Kunden den nahenden Weltuntergang befürchten und einkaufen als hinge ihr Leben davon ab. Sobald sich die gefühlte Krise allerdings gelegt hat, gibt es keinen weiteren Zusatzbedarf und das System kommt wieder zurück zum Normalzustand.

2. Räumliche Skalierbarkeit

  • Bedeutung: “Verwaltungsbedarf bei Erhöhung von zu verwaltenden Elementen” = Ausgewogener Umgang mit mehr beweglichen Teilen.
  • Beispiel aus der IT: Die Grundfrage hier lautet “Wie wird mit mehr Speicherbedarf umgegangen?” Cloudserver können hier als Beispiel dienen.
  • Beispiel aus der Wirtschaft und dem “echten Leben”: Ein Kindergeburtstag und die Notwendigkeit von heute auf morgen Dutzende bis Hunderte neue Mitarbeiter einstellen zu müssen. Wie bei Zoom in der Coronakrise geschehen. In beiden Fällen skalieren die gewählten Lösungen so lang, bis ein lokales Maximum erreicht ist und (völlig) neue Lösungen gefunden werden müssen. Ein neuer Kinderbetreuer und ein neues Bürogebäude zum Beispiel. Die Schlüsselfrage hierbei ist: Welche Kosten sind akzeptabel bei einem “Bruch” der Skalierbarkeit? Muss es ein neues Bürogebäude sein oder gibt es andere Lösungsmöglichkeiten?

3. Zeitlich-Räumliche Skalierbarkeit

  • Bedeutung: Sehr ähnlich der rein räumlichen Skalierung kommt hier noch die Zeit-Dimension hinzu. Räumliche Skalierbarkeit beantwortet nur die Frage nach dem “Wie geht das System mit der Stresserhöhung um?”. Zeitlich-räumliche Skalierbarkeit hingegen fragt noch “Wie geht das System mit der Zeit um, welche diese neue Last mit sich bringt?”
  • Beispiel aus der IT: Antwortzeiten von Servern. Ist die Frage bei räumlicher Skalierung vor allem die nach dem “bricht es zusammen oder nicht?” und “was tun wir, wenn es zusammenbricht?”, ist sie bei der zusätzlichen Zeitdimension eher “Wie geht der Server mit den Verzögerungen um?”. Bricht er irgendwann einfach zusammen? Präferiert er spezielle Anfragen? Macht er alle gleich langsam?
  • Beispiel aus der Wirtschaft und dem “echten Leben”: Bleiben wir bei dem Mitarbeiteransturm und dem Kindergeburtstag. Wenn ich meine neuen Mitarbeiter nicht schnell genug zum arbeiten bekomme, verliere ich Geld und meine Mitarbeiter die Geduld und Motivation. Wenn ich auf einem Kindergeburtstag eine Stunde länger bis zum nächsten Spiel brauche als geplant, nun:
Räumlich-Zeitliche Skalierbarkeit ist bei einem Kindergeburtstag essentiell

4. Strukturelle Skalierbarkeit

  • Bedeutung: “System- oder Prozessdesign beeinträchtigt nicht die (potenzielle) Leistung” = Verhinderung des Falls das “mehr zu weniger führt”.
  • Beispiel aus der IT: Veraltetes / falsches Programm wird eingesetzt bzw. Programm wird eingesetzt, welches nie für eine solche Last konzipiert wurde. Bestes Beispiel dafür ist Twitter, welches an diesem Problem fast zerbrochen wäre.
  • Beispiel aus der Wirtschaft und dem “echten Leben”: Ein Kindergeburtstag mit 15 Gästen in einer 3m² Blockhütte. Ein StartUp welches sein Produkt international ausrollen möchte, und auf Lösungen der Telekom oder einem anderen Dinosaurier des Internetzeitalters vertraut.

5. Geographische Skalierbarkeit

  • Bedeutung: “Geographie hat keinen Einfluss auf Systemleistung” = Entfernung spielt keine Rolle.
  • Beispiel aus der IT: Das Paradebeispiel hierfür sind CDN’s, Content Delivery Networks und Latenzzeiten. Die zum Beispiel bei Mikrotransaktionen an der Börse schnell zu horrenden Summen werden können.
  • Beispiel aus der Wirtschaft und dem “echten Leben”: Wenn der Gastgeber beim Kindergeburtstag zwei Blocks weiter ist als die Gäste, steht das Haus in Flammen. Zwei Meter entfernt gibt es nur Pudding auf dem Tischtuch. Personal Training aus der Entfernung gestaltet sich schwierig.

6. Administrative Skalierbarkeit

  • Bedeutung: “Anzahl der Systeme wirkt sich nicht auf die Systemleistung aus” = Es ist genug Platz für alle da.
  • Beispiel aus der IT: Mehr Projekte auf einem Server führt zu volleren Festplatten führt zu längeren Datenraten und gegebenenfalls keiner weiteren Schreibmöglichkeit für Programme auf dem Server.
  • Beispiel aus der Wirtschaft und dem “echten Leben”: 3 Kinder in einem Haushalt sind bei einem Geburtstag machbar. Bei 30 hingegen wird die Sache schon schwieriger. 30 Kunden in einem Apple Store hingegen sind ein normaler Montagmorgen. 300 allerdings führen wahrscheinlich zu Absprüngen der Kaufentscheidung wegen Überfüllung.

Eines sei zu den verschiedenen Arten von Skalierbarkeit noch gesagt: Systeme und Prozesse können durchaus zeitgleich mehrere Arten in sich vereinen. In diesem Fall ist die wichtigste Frage: Beeinträchtigen sie sich gegenseitig potenziell im Verlauf der Skalierung?

Das ist für IT-Systeme schon wichtig, wird aber spätestens dann existentiell, wenn das eigene Geschäft, bzw. das Geschäftsmodell des eigenen Business von funktionierender Skalierbarkeit abhängt und mit dieser steht und fällt.

Wenn ich 5 Kunden oder mehr pro Monat brauche, mein System bzw. Business Model allerdings nur maximal 2 hergibt, habe ich ein Problem. Wie ich dieses Problem lösen kann, dazu mehr in den nachfolgenden Zeilen zu skalierbaren Geschäftsmodellen:

II

Skalierbarkeit + Geld = Skalierbare Geschäftsmodelle

Sobald das Prinzip der Skalierbarkeit auf die Absicht Geld zu verdienen trifft, wird aus der Frage “ist das skalierbar?” die Frage “skalieren die Einnahmen?”. Und da dies, wie wir zu Beginn bereits gesehen haben, eine der besten Einsatzmöglichkeiten für dieses Wirkprinzip ist, lauten dann auch immer die zwei ersten, logisch aufeinander aufbauenden Fragen zu skalierbaren Geschäftsmodellen in etwa so:

  1. “Wie verdienst du Geld?” und darauf folgend
  2. “Skaliert dein Geschäftsmodell?”

Die optimalen Antworten darauf sind (oftmals):

  1. “Mein Modell ist das x des y – Zum Beispiel “das Trello des foods” oder “wie Skype nur für Ärzte”. Damit beantworten sich viele Folgefragen prinzipiell von selbst. Das ist also oftmals ein guter Startpunkt. Und die zweite Antwort sollte sein:
  2. Absolut!

Wenn das stimmt, ist der Weg für Elevator Pitch und Business Model Canvas frei 😉

Was gibt es abseits davon an Prinzipien rund um skalierbare Geschäftsmodelle? Schauen wir uns die wichtigsten an:

Die 3 Grundprinzipien skalierbarer Geschäftsmodelle

1. Je mehr / besser Arbeitsbereiche skalierbar sind, desto skalierbarer ist das gesamte Unternehmen:

So wie ein Job aus Teilaufgaben besteht, besteht ein Unternehmen aus Aufgabenbereichen. (Produktentwicklung, Marketing, Management usw.) Es stellt sich bei der Skalierung von Geschäftsmodellen bzw. Unternehmensbereichen also die gleiche Frage wie beim Einsatz künstlicher Intelligenz: “Wie sieht es für jeden individuellen Arbeitsbereich aus?”

Es gibt Prozesse und Bereiche die sich kaum skalieren lassen. Und es gibt solche, die wie prädestiniert dafür scheinen. Forschung und Entwicklung z.B. scheint auf den ersten Blick nahezu nicht skalierbar zu sein. Bis man sich von Lösungen wie FoldIt oder AlphaFold inspirieren lässt.

2. Hockeystick-Bereitschaft:

Skalierbarkeit als Grundvoraussetzung + eine skalierte Nachfrage führt zu einer nahezu exponentiellen Umsatzsteigerung. (Bei gleichen Kosten) Skalierte Nachfrage kann zum Beispiel durch Influencer-Kampagnen oder virales Marketing geschehen. Lösungen zur Ermöglichung dieser Hockeystick-Bereitschaft können zum Beispiel automatisierte Abläufe und Automatisierung generell oder auch Standardisierung sein.

Die Schlüsselfrage hierbei: Ist die Expansionsfähigkeit meines Geschäftsmodells ähnlich bis gleich der potenziellen Nachfrage meines Zielmarktes? Hier kann man leicht übers Ziel hinausschießen oder heillos darunter bleiben, wichtig ist erst einmal nur:

Gibt es mein System überhaupt her? Wie es final umgesetzt wird, muss stets individuell entschieden werden. Entscheidend ist, wie bereits beschrieben, hierbei oftmals die Kostenstruktur, also die Zusammensetzung aus variablen- und Fixkosten.

Hockeystick-Wachstum bei skalierter Nachfrage
Skalierbarkeit zieht oft "Hockeystick-Wachstum" nach sich.

3. Geschwindigkeit > Gewinn:

Bei Skalierbarkeit und skalierbaren Geschäftsmodellen herrscht manchmal ein wirtschaftlicher Sonderfall vor. Während in jedem anderen Modell Gewinn als absolute und einzig relevante KPI gilt, kann bei skalierbaren Systemen z.B. die Zahl der Nutzer, die Nutzung generell und der erzielte Umsatz viel wichtiger sein.

Verbreitungsmetriken sind hier also (zunächst) wichtiger als bares Geld. WhatsApp ist ein Paradebeispiel dafür. Der Grund für diese kontraintuitive Herangehensweise kommt aus einer Mischung verschiedener Faktoren zustande. Drei praktisch oft verwendete davon sind:

  • Daten: Mehr Nutzer = mehr Daten = Mehr potenzieller Gewinn durch die direkte Verwendung dieser Daten z.B. zu Marketingzwecken, oder indirekter Verwendung durch z.B. intelligente Algorithmen und daraus resultierendem Mehrwer der sich verkaufen lässt.
  • Funktionalität: Wenn die reine Verwendung der angebotenen Lösung bereits Mehrwert generiert, der sich verkaufen lässt, braucht man die Lösung selbst nicht bepreisen. Ein Beispiel hierfür wäre Kaggle, bei dem mehr Nutzer mehr verkaufbare und beteiligte Lösungen verspricht.
  • Sichtbarkeit: Werbung oder In-App Käufe.

Der Schlüssel ist also oft: Wenn die weiteren Stufen des Funnels bereits extrapolierbar sind, brauche ich mich nur noch um mehr Anwender kümmern. Genau diese Rechnung machen auch Investoren oft auf, wenn sie sich skalierbare Geschäftsmodelle anschauen.

Skalierbare Geschäftsmodelle können unter Umständen Gewinn als ZielKPI ignorieren

Wenn Schritte 2 und 3 stehen, brauche ich mich nur noch um Schritt 1 zu kümmern.

Deshalb haben skalierbare Geschäftsmodelle vom Start weg die gesamte Welt, bzw. die Gesamtheit aller Internetnutzer im Visier.

Es gibt im Online Marketing das Sprichwort “Sorge für Traffic, monetarisieren lässt er sich immer irgendwie”. Was ein bisschen an den Managementhinweis von Alastair Campbell erinnert: “Win everything. Trophies follow automatically.”* Ähnlich verhält es sich mit Skalierung. Mit genügend Nutzern, Bekanntheit und Markenwahrnehmung bei verhältnismäßig wenigen Kosten lässt sich Schritt 2 sehr wahrscheinlich finden.

Fun Fact am Rande für alle die sich fragen “Was ist überhaupt der Unterschied zwischen einem Kleinunternehmen / Freelancer / Existenzgründer / KMU und einem StartUp?!”. Eine ganze Reihe von Leuten antwortet darauf: Skalierbarkeit.

Ein Zitat dazu von den Kollegen von Ut11:

“Startup-Pionier Steve Blank definierte Startups einst als “temporäre Organisationen” auf der Suche nach einem Geschäftsmodell, das “wiederholbar, skalierbar und profitabel” ist. Je mehr Faktoren die Expansion des Geschäftsmodells begünstigen, desto höher der Grad der Skalierbarkeit.”
Quelle: https://ut11.net/de/blog/was-macht-geschaftsmodelle-skalierbar-ein-startup-guide/

Heißt: Ein Unternehmen wird erst durch Skalierbarkeit zum Startup. Oder anders formuliert:

(Klein)unternehmen + Skalierbarkeit = StartUp.

Aus diesen Grundprinzipien leiten sich logische Fragen ab, die sich jeder stellen muss, der die Skalierbarkeit seines Unternehmens auf den Prüfstand stellt. Schauen wir sie uns an:

Die 3 Grundfragen von skalierbaren Geschäftsmodellen

Hierzu muss man nicht viele Worte verlieren, denn hier wird es sehr einfach. Schwarz und weiß, ja und nein und konkrete Zahlen.

  1. Fähigkeit: Kann es expandieren? (Unternehmen, Geschäftsmodell etc. Wenn ich mehr Ressourcen für ein zweites Stück brauche als beim ersten, stehen hier die Chancen eher schlecht)
  2. Geschwindigkeit: Wie schnell kann es expandieren? (Wenn ich zwar skalieren kann, dazu aber sechzig bis achtig Jahre brauche, habe ich einige Arbeit vor mir)
  3. Einnahmen: Wie ist der Return On Invest über die Zeit der Expansion? (Wenn meine Marge signifikant im Laufe der Skalierung sinkt, gar ins negative rutscht, sollte ich mich gut mit meinen Zahlen auseinandersetzen, bevor ich starte. Sonst wird aus einem skalierbaren Geschäftsmodell in Windeseile ein Banknoten-Krematorium)

Wenn hier drei mal grünes Licht gegeben ist, kann es weitergehen. Glückwunsch, hier sind die Weichen gestellt!

Nachdem wir mit den Grundlagen von Skalierbarkeit und skalierbaren Geschäftsmodellen nun also durch sind, wird es Zeit eine Ebene tiefer in die Praxis einzutauchen.

Skalierbarkeit auf einen Blick: Die Skalierbarkeits-Matrix

Die Skalierbarkeits-Matrix

Skalierung führt zwangsläufig zu Wachstum. (Auch wenn man die beiden nicht gleichsetzen muss / kann / sollte)

Und Wachstum führt (nahezu) immer zu einer Vergrößerung des am Wachstum beteiligten Teams.

Und ein größeres Team führt zwangsläufig zu neuen Fragen rund um dieses Team. Spätestens hier muss man die wirtschaftlich-technische Betrachtung von Skalierung kurz verlassen. (Praktisch sollte man diese Perspektive von Tag 1 an im Blick haben, damit man nicht von seinem eigenen Erfolg überrollt wird)

Und sich das Thema Skalierung und Softskills anschauen.

III

Skalierbarkeit + Mensch = Team & Softskills

Das System ist skalierbar und das Geschäftsmodell ist im Umbauprozess. Sehr gut! Doch das ist nicht alles. Wie so oft gilt auch bei Skalierung das Sprichwort: “Eine Kette ist nur so gut wie ihr schwächstes Glied”.

Denn nicht nur Systeme, Prozesse und Produkte müssen gezielt und verhältnismäßig wachsen können. Selbiges gilt auch für diejenigen, welche diese verantworten.

Wenn ich nur 1% Rückfragen von Kunden bei meinem Produktverkauf habe, habe ich bei 100 Kunden nur eine Frage. Die kann der Chef in einer Mittagspause noch selbst erledigen.

Verkaufe ich aber statt 100 auf einmal 100.000 oder mehr, habe ich statt einem, auf einmal 100 Rückfragen. Dafür braucht es wahrscheinlich bereits mehrere Vollzeitstellen die entsprechend geschult sein müssen etc.

Das Skalen sich auch direkt auf das Unternehmen auswirken, ist soweit absolut logisch und kann oftmals bereits durch ein wenig Mathematik überschlagen werden.

Doch die Auswirkungen von Skalierung auf die Kultur, Prozesse und das Selbstverständnis eines Unternehmens gehen noch viel weiter. Schauen wir uns die “weichen” Skills und Schritte an, die Skalierung mit sich bringt.

Die 4 “weichen” Dimensionen der Skalierbarkeit

1. Vitamin B für gesundes Wachstum:

Ein verlässliches Netzwerk und eine Reihe verschiedener, belastbarer Kontakte vom Start weg ist eine der besten Varianten für Netz und Doppelten Boden zu sorgen, wenn das Unternehmen so richtig abhebt. Mit Nachfrage multiplizieren sich Probleme. Gut, wenn man dann bereits jemanden kennt, der einem mit diesem neuen Problem helfen kann.

2. Warum wir besser sind als der Rest:

Um nicht in gleichem Maße zu verwässern wie man aufsteigt, ist die kristallklare Kommunikation des eigenen Produktmehrwerts entscheidend. Warum sollte der Kunde genau diese Lösung und keine andere kaufen? Wenn der Vogel einmal in der Luft ist, bleibt keine Zeit für Feinjustierung und Argumentation.

Vorbereitung ist hier also gleich in doppeltem Sinne Gold wert. (Neben dem offensichtlichen Grund, dass man so seine Chancen am Markt drastisch erhöht) Buyer Persona, Business Model Canvas, Elevator-Pitch, Validierung der Geschäftsidee und klare Kommunikation des USP können hier helfen. Ein paar schöne Beispiele dafür sind hier zu finden.

Beispiel für Softskills bei skalierbaren Geschäftsmodellen
Quelle: https://shopfelixgray.com/ Abgerufen: 20.06.2020

3. Führung = Richtung:

Gerade in Phasen hoher und sehr hoher Geschwindigkeit des Unternehmens sind starke Nerven und klare Entscheidungen gefragt. Neue Märkte bringen neben neuen Chancen immer auch Herausforderungen mit. Diesen entsprechend begegnen zu können ist eine Kernkompetenz im Rahmen skalierbarer Geschäftsmodelle. Was bringen mir zehn Millionen Kunden wenn mein Unternehmen an vierzehn Stellen auseinanderbricht?

Die beste Expertin dazu im deutschsprachigen Raum habe ich ja bereits mehrfach erwähnt.

4. Identität darf nicht verwachsen:

Vision und Kultur, besser noch Mission, Vision und Werte müssen jederzeit von jedem Mitarbeiter verstanden und gelebt werden. (Ein schönes Beispiel dafür findet sich bei SPI, einem mustergültigen Vorbild für skalierbare Geschäftsmodelle) Dies muss so selbstverständlich und automatisch geschehen, dass sich über diesen Punkt buchstäblich keine Gedanken gemacht werden muss. Denn, wie bereits oben erwähnt, Zeit für nachjustierung bleibt schlicht keine im Skalierungsprozess. Ein gutes Beispiel dafür aus dieser Perspektive bietet Starbucks. Wie man eine solche Kultur aufbaut und hält findet sich im Buch “Winners: And How They Succeed”* sehr schön beschrieben. Ebenso wie Mission, Vision und Values kann hierbei auch “OST”, Objective, Strategy, Tactics. (+ Values) ein guter Ansatzpunkt sein. Warum und Wie wird im Buch näher ausgeführt. Und wem das nicht reicht, dem kann ich nur erneut Silke Fritzsche empfehlen.

Eine hervorragende und ausführliche Arbeit dazu von den Universitäten in Cambridge und Oxford zusammen mit der Bank Barclays vertieft das ganze noch. Wie Skalierbarkeit in Großbritannien vonstatten geht, kann hier nachgelesen werden.

Wie du in weniger als 10 Minuten herausfindest, ob ein skalierbares Geschäftsmodell für dich das Richtige ist

Nachdem wir uns jetzt minutiös das “Wie” aus der Zwischenebene angeschaut haben, lenken wir kurz intensiver und persönlicher unseren Blick auf das “Warum?”. Viele wirklich gute Gründe habe ich bereits ausgeführt, doch jetzt kommen wir zu den Argumenten, die am Ende des Tages und am Ende deines Lebens tatsächlich zählen.

Und diese folgen immer einer zentralen Grundfrage: Was ist dein Ziel?

Oder, etwas präziser:

  • Was steht SMART formuliert in deinem Lebensrad an den Stellen Karriere / Geld / Lebenszweck / Gesellschaft?
  • Was ist die Ziellinie deines 10-Jahresplans von dem aus du dich zurückgearbeitet hast?

Wenn du auf keine dieser Fragen eine zufriedenstellende Antwort hast, empfehle ich

  1. Kauf und Durcharbeiten des “Bullet Journals”* und
  2. Ggf. ein Coaching / eine Weiterbildung. Wie gesagt, die beste Coachin in Deutschland dazu ist meiner Meinung und Erfahrung nach Silke Fritzsche.

Wenn du auf diese Fragen nur kurz dein Bullet Journal (BuJo) aufschlägst, kurz liest und zustimmend nickst, sehr gut!

Dann steht nur noch eine offene Frage im Raum:

Kannst du unter Einsatz von Skalierbarkeit dein Ziel / deine Ziele besser erreichen?

Machen wir das an einem Beispiel fest.

  • Ziel: Analphabetismus auf der Welt vollständig beenden.
  • Bisherige Strategie: Von Land zu Land ziehen, Unterricht geben und mit Entscheidungsträgern sprechen. -> Lobenswert aber ungefähr so skalierbar wie die Kartoffelernte vor 300 Jahren.
  • Skalierbare Strategie: Kostenlose Plattform aufbauen, welche sich zB durch Premiumleistungen für Kunden abseits der Hauptzielgruppe finanziert, via künstlicher Intelligenz in jede Weltsprache übersetzt und von einem dezentralen, auf der Welt verteilten Team betreut wird.

Dieser Algorithmus sieht natürlich in jedem Fall anders aus, zur Veranschaulichung sollte dieses Beispiel aber funktionieren.

Zur Sicherheit und damit wir uns nicht falsch verstehen: Du musst kein skalierbares Geschäftsmodell bzw. eine skalierfähige Lösung entwickeln oder umsetzen.
Du kannst auch ohne Skalierbarkeit erfolgreich, glücklich und ans Ziel kommen.
Du wirst nur weder wirklich schnell noch besonders groß wachsen.
Eine wichtige Rolle bei dieser Entscheidung spielt auch die gewählte Finanzierungsform deines Unterfangens. Ein Limonadenstand vor der Hauseinfahrt braucht keine Investoren um in internationale Märkte einzudringen.
Für einen Bankkredit brauchst du ebenfalls, zumindest in Deutschland, oftmals kein Skalierbares Modell. Wie gesagt, es steht und fällt alles mit deinem Ziel.
Vielleicht hilft dir auch diese Analogie: Nicht skalierbare Geschäftsmodelle sind wie ein Bäumchen in einem Glaskasten. Er kann eine Zeit lang wachsen, ist aber vom Start weg in seinen Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt.

Was uns zur praxisnahsten Schicht dieses Artikels führt. Wenn dir die bisherigen Tipps schon geholfen haben: Sehr gut! Dann viel Erfolg beim umsetzen!
Vielleicht passt du aber auch in eine der nachfolgend aufgefächerten Kategorien.

In diesem Fall jeweils eine konkrete Anleitung:

IV

Was du jetzt tun solltest, wenn du …

… einen festen Job hast und skalierbar werden möchtest

  1. Dir vor Augen halten das Wissen statt Zeit der Schlüssel ist. Menschen kaufen Lösungen, nicht deine Lebenszeit.
  2. Dir deiner Leidenschaft klar werden. Oder eine finden. Keinem Trend hinterherrennen. Hier sind langer Atem und Freude die beiden Knackpunkte!
  3. Deine Idee validieren, bevor du sie final produzierst. Stelle also VOR der Umsetzung sicher, dass deine Zielkunden auch bereit sind Geld für deine Lösung zu bezahlen. Dies ist einer der größten Vorteile digitaler bzw. skalierbarer Lösungen. Nutze ihn! (Der direkte Verkauf eines Prototypen, eine umfassende SEO-Analyse, eine gezielte SEA-Landing Page oder Crowdfunding mit etwas mehr Aufwand können ein guter Start sein)
  4. Gestalte deine angebotene Lösung so, dass dein Kunden die Umsetzung ausführen statt dir. Hilfreich kann dabei die Frage sein: “Wenn ich eine Anleitung für meine Tätigkeit schreiben müsste, wie würde diese aussehen?” Wenn möglich nutze digitale, onlinebasierte Lösungen. Diese reduzieren Risiko und Kosten bereits prinzipiell sehr stark.
  5. Systematisch und routiniert umsetzen und zum Nebeneinkommen ausbauen. Hier hilft ein Redaktionsplan wenn es digital ist enorm weiter. Ansonsten vor allem der Aufbau neuer Gewohnheiten. Die beste Variante zu diesen neuen Gewohnheiten zeigt das Buch “Atomic Habits”* von James Clear.
  6. Arbeite konstant verbessernd, zum Beispiel nach dem Kaizen-Prinzip (Bei jeder Ausführung ein infinitesimal kleines Stück besser werden als zuvor) oder dem LEAN-Prinzip (Build-Measure-Learn)

… bereits selbstständig Dienstleistungen anbietest

1. Dir vor Augen halten, dass dein Ziel ist mit mit dem gleichen oder im Optimalfall weniger Arbeitsaufwand mehr Kunden zu erreichen.

2. Du dies am einfachsten über einen dieser Ansätze bzw. eine Kombination aus diesen erreichst:

  • Mehr Kunden pro Zeit: Anstatt nur noch 1on1 Dienstleistungen anzubieten, machst du aus dem gleichen Konzept Schulungen für Dutzendende oder mehr Kunden.
  • Weniger Zeit pro Arbeitsschritt: Wenn irgend möglich hole deine Angebotsfläche so nah zu dir wie machbar. Im Bestfall kannst du direkt von daheim aus arbeiten. Spart Lebenszeit für Fahren, im Stau stehen etc.
  • Replikationskosten gegen Null bringen: Was immer du tust, suche dir Optionen dies digital zu machen. Also Arbeitsbücher -> PDF. Anleitungen -> .mp3. Vorträge -> Webinar.
  • Mehr Umsatz pro Zeit: Versuche wenn möglich eher im Premiumbereich deiner Nische zu arbeiten. Du kannst dabei auch noch innerhalb deiner Leistung skalieren indem du zum Beispiel deine Inputs durch Aufgaben und Videos etc. auflockerst.

3. Spezialisieren. Je besser deine spezifische Expertise ist, desto gefragter ist sie. Unter Umständen sogar weltweit.

Kombiniert mit den anderen Maßnahmen schaffst du so also eine Paradegrundlage für Skalierung deiner Unternehmung. Und je spezieller dein Wissen, desto höher das Wissen durch die Kombination mit anderen Spezialisten. Du hast also auch hier direkt eine weitere Skalierungsoption.

Hierbei sei ergänzend noch gesagt, dass es oftmals sehr viel Zeit und Frust spart, vom Start weg mit Experten zusammenzuarbeiten.

… bereits ein kleines Unternehmen gegründet hast

1. Die Softskills deines Teams und dir auf den Prüfstand stellen.

Das geht zum Beispiel anhand dieser Frage: “Wenn morgen das zehn- oder hundertfache Volumen an Kunden auftreten würde, wärt ihr bereit dafür und könntet dies problemlos schultern?” (Inklusive der notwendigen Maßnahmen wie dem einstellen neuer Mitarbeiter etc.) Falls nicht, was sind die Knackpunkte?

Hierbei gilt: Wenn das Team funktioniert und richtig gut ist, sind viele Probleme weniger gefährlich da die Lösungsfähigkeit die Sachen entsprechend leichter macht.

Das Geschäftsmodell abklopfen. Gibt es potentielle Sollbruchstellen beim skalieren? Wenn ja, was könnt ihr unternehmen, um diese zu umgehen bzw. schnell zu beheben? Grundfrage kann dabei die gleiche wie bei Punkt 1. sein.

3. Wenn der Markt stimmt, wovon ich hier ausgehe, da das Unternehmen sonst wohl kaum noch an selbigem wäre, das Team eine eingeschworene Truppe ist und das Business Model steht, muss vor allem eines gemacht werden: Weiter.

Das Fundament steht, jetzt geht es daran kontinuierlich gute Arbeit zu leisten. Und dann immer eine Herausforderung nach der anderen.

4. Ggf. Investorengeld zur schnelleren Skalierung einsetzen. Bei einer Vielzahl von skalierbaren Geschäftsmodellen ist die Wachstumsgeschwindigkeit die vorübergehende Ziel KPI. In diesem Fall gilt es sich die Möglichkeit zur Maximierung dieser zu holen.

… bereits ein lang etabliertes Unternehmen führst

1. Experimente & Testprojekte im kleinen starten. Diese helfen enorm um Skalierbarkeit im Unternehmen einzusetzen. Wie das konkret und Schritt für Schritt aussehen kann, habe ich am Beispiel künstliche Intelligenz in diesem Artikel ausgeführt.

2. Das eigene Geschäftsmodell systematisch in Richtung Skalierbarkeit aus- bzw. umbauen. Wenn ich die Unternehmensrichtung durch Testprojekte bereits validiert habe, super. Aber auch wenn nicht, ergibt es rein aus Gründen der Effizienz, Konkurrenzfähigkeit und Zukunftssicherheit Sinn zumindest Teile des eigenen Business Models skalierbar zu machen.

3. Wenn alles zu verkantet ist, ggf. Franchises einsetzen. Sollte es aus irgendwelchen Gründen partout nicht möglich sein Skalierbarkeit ins Unternehmen zu bringen, kann vielleicht der Umweg des Franchising noch eine Option sein. Mehr dazu weiter unten.

Wenn du mehr dazu / Details wissen willst, melde dich in meinem kostenlosen Innovationswebinar an.

… Eine Lösung für alles suchst: Skalierbarkeit as a Service

Sollten die oben genannten Tipps und Schritte nicht ausreichen oder nicht zu deiner aktuellen Situation passen, kannst du auch vorgefertigte Skalierungslösungen einsetzen, ohne damit bestehende Prozesse und Systeme umfangreich verändern zu müssen. Gleichzeitig kann so auch Erfahrung mit Skalierung gesammelt werden.

Zum Beispiel Chatbots oder Cloud-Rechnersysteme funktionieren automatisch. (Aus Anwendersicht)
Hier können passende Lösungen bzw. Testoptionen ganz einfach in drei Schritten gefunden werden:

  1. Ein Problem suchen welches nicht existentiell für das Unternehmen ist, allerdings signifikanten Nutzen für den Kunden bringt.
  2. Nach skalierbaren Lösungen für dieses Problem suchen. Hierbei kann Konkurrenzanalyse helfen.
  3. Einsetzen und auswerten.

Generell gilt hier: künstliche Intelligenz kann, richtig eingesetzt, der größte Skalierungsfaktor in jedem Unternehmen sein. Denn egal wie komplex eine Herausforderung ist, KI kann das Problem sehr wahrscheinlich zielführend lösen.

Und solltest du partout keine Lösung auf der ganzen Welt finden, die deine Probleme skalierbar löst, ist das vielleicht die perfekte Chance für eine Erweiterung / Ergänzung des eigenen Geschäftsmodells.

Skalierbarkeit as a Service am Beispiel Autoscaling
Autoscaling bringt Automatisierung und Skalierung in einer Anwendung zusammen. Quelle: https://cloud.google.com/solutions/scalable-and-resilient-apps?hl=de#scalability_adjusting_capacity_to_meet_demand Abgerufen 16.06.2020

… Alles schon kennst und Tricks suchst

Wenn du alle Stationen schon erreicht hast, alles schon kennst und jetzt nach den letzten 20% Wissen rund um die Skalierung suchst, helfen dir vielleicht diese Tricks und Kniffe weiter:

Franchising – schnelle Expansion ohne enorme Zusatzinvestitionen

Das Prinzip des Franchising ist weitgehend bekannt – das eigene Geschäftsmodell wird gegen eine “Leihgebühr” zur Verfügung gestellt und damit anderen ermöglicht vom Start weg ein praxisbewährtes System einzusetzen. Während zeitgleich das eigene Unternehmen, je nach genauen Franchise-Bedingungen, kaum Risiko für dieses Wachstum trägt.
Franchising ist quasi “Offline-Skalierung” und das einzige Prinzip welches zumindest zu einem gewissen Grad Skaleneffekte in der Welt der Materie zulässt.

Sollte Veränderung und Digitalisierung also nicht gehen, kann unter Umständen “mehr vom gleichen” auch in der “Echtwelt” funktionieren.

Ich bin der Meinung, dass, auch wenn hier ein ähnliches Prinzip wirkt, Franchising nicht “klassisch” skalierbar ist. (Es sei denn natürlich es ist ein Franchise eines digital basierten Unterfangens) Denn jedes Mal wenn ich eine neue Dependance eröffne, brauche ich wieder

  • Ein neues Gebäude
  • Neue Mitarbeiter
  • Stetig neue Rohstoffe zur Produktion
  • Neue Wege meine lokale Reichweite zu erhöhen

Während “echte” Skalierung nichts davon benötigt. (Zumindest in diesem jeweiligen Ausmaß) Die Server gibt es bereits, das Produkt ebenfalls, der Vertrieb ist automatisiert und das Marketing kann im Optimalfall via Affiliate-, Influencer oder anderen Multiplikatorenoptionen ebenfalls automatisiert werden.

Von daher bin ich aus Skalierbarkeits-Sicht kein übermäßig großer Fan vom Franchising, schlicht weil viele der anfangs aufgezählten Vorteile hier nicht gelten. Allen voran der Umweltaspekt. Aber ich kann Entscheidungen dahingehend durchaus nachvollziehen und sehe es als prinzipielle Option der Skalierung an.

Outsourcing – schnelle Expansion ohne Spezialwissen als Bremse

Ein weiterer Kniff, der offline wie online funktioniert, ist zielgerichtetes Auslagern von allen Prozessen, die nicht zur Wertschöpfung notwendig sind. Wenn ich Kristallglas fertige, brauche ich ingenieure und vielleicht noch Physiker dafür, keine Telefonisten oder BWLer.

Auch wenn es natürlich durchaus sinnvoll sein kann, während des “Normalbetriebs” all diese Fähigkeiten unter einem Dach zu bündeln, hilft es sehr, während eines Skalierungsprozesses flexibel zu sein.

Heißt: Sich problemlos Kapazitäten einzukaufen und alle nicht relevanten Knackpunkte auszulagern.

Dies führt zu Fokus auf die Stärken des Unternehmens und optimierte Arbeitsprozesse und kann vor mittleren Katastrophen während einer kritischen Wachstumsphase bewahren.

Outsourcebare Skills können z.B. sein:

  • Programmierer
  • Steuerexperten
  • Rechtsanwälte
  • Kundenbetreuer
  • Entwickler etc.

Weitere Tricks:

Franchising und Outsourcing sind die zwei häufigsten “Echtwelt”-Alternativen zu “klassisches” Skalierung. Es gibt aber auch noch weitere Tricks. Hier die Top 6:

1. Messen!

Der wahrscheinlich einfachste und zeitgleich am häufigsten falsch verstandene und/oder falsch angewendete “Trick” bei allem digitalen. Und vor allem bei Skalierung. Durch präzise und im Bestfall automatisierte Messung kann ich eine Skalierung meiner Unternehmungen überhaupt erst sicherstellen und feinjustieren. Ohne sie stehe ich vor Investoren mit vagen Abstraktionen da. Ohne sie ist es schwer zu optimieren wo sich Potenzial zeigt. In kurz: Messen ist einer der mit Abstand besten “Tricks” rund um Skalierung und Skalierbarkeit
Mehr dazu weiter unten im Abschnitt “Wie messe ich Skalierbarkeit?”

2. Cloud Computing & virtuelle Maschinen:

Virtuelle Maschinen (VM’s) und Cloud Computing können eine infrastrukturelle Grundlage erfolgreicher Skalierung sein. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ich brauche keine Hochleistungshardware im großen Stil anschaffen sondern kann bequem auf vorkonfigurierte Lösungen zurückgreifen. Und dabei wird nur das gezahlt, was auch tatsächlich benutzt wird. Weniger Kosten für sicherheit, Wartung, Transport etc. Und wenn das Flugzeug meines skalierbaren Geschäftsmodells abhebt, brauche ich nichts weiter als maximal einen Anruf tätigen und kann direkt weiterarbeiten.

3. Plattform-Echtzeit-Kommunikation:

Auch hier eine “techno-historische” Binsenweisheit, deren Vorteile allerdings leicht übersehen werden können. Echtzeitkommunikation über Plattformen wie Facebook, Slack, WhatsApp oder Telegramm etc. ermöglichen es mir instantan mit meinen Kunden in Kontakt zu treten, ohne das ich dabei Server mieten, Software einrichten, Nutzungsvereinbarungen unterzeichnen etc. muss. Ich kann sofort und perfekt skalierbar mit meinen Usern kommunizieren. Und das nahezu 100% reibungslos, denn die Skalierungsarbeit damit all das funktioniert übernimmt der jeweilige Anbieter. Heißt: Ich kann schneller und günstiger mit einer unbegrenzten Kundenzahl kommunizieren. Das kann, richtig eingesetzt, allein bereits ein Wettbewerbsvorteil sein.

4. Big Data:

“Daten sind das neue Öl”. Diese Aussage trifft auch heute noch, ja sogar mehr als je zuvor zu. Daten sind Macht, Daten sind Wettbewerbsvorteile und können zentrale Assets einer Firma sein. Und sie sind perfekt skalierbar, da sie nahezu immer in digitaler Form entstehen. Heißt: Wertvolle Daten machen aus Kunden gut verstandene Partner. Also: Nutzen so gut und oft es geht!
Oder anders formuliert: Wenn Daten das neue Öl sind, ist Skalierbarkeit eines der Hauptvorkommen und jedes skalierbare Geschäftsmodell eine Bohrinsel.

5. Technologieadaption:

Einer der grundlegendsten Tipps zum Thema Skalierung. Technologie ist ein Hebel. Und wer technologie richtig einsetzt, ist der Konkurrenz automatisch unzählige Schritte voraus. Die Mongolen und das Schießpulver können ein (Trauer)Lied davon singen. (Jahrhundertelang konnte nichts und niemand die Mongolen aufhalten, auch die chinesische Mauer nicht. Doch die Erfindung von Schusswaffen hat dies mit einem Schlag verändert. Weltreiche haben sich verändert. Dank einer einzigen neuen Technologie.)
Deshalb gilt auch hier: Wer die richtige Technologie richtig einsetzt, gewinnt. Die eingangs gegebenen Beispiele verdeutlichen das gut denke ich. Heißt: Skalierung verstehen. Skalierung im Unternehmen einsetzen. Kontinuierlich nach neuen skalierbaren Lösungen und Innovationen suchen und diese ausprobieren. Oder in den Worten von Elon Musk: “Eine höhere Innovationsgeschwindigkeit als die Konkurrenz ist die beste Versicherung gegen Kopien und Plagiate”
Welche Technologien und Trends dazu dienen können findest du an vielen Stellen auf meiner Seite oder in meinem Newsletter.

6. Schichten:

Noch ein Skalierungs-Kniff zum Ende, diesmal wieder der IT entlehnt: Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, skalieren Systeme am besten, wenn ihre Bestandteile skalieren. Heißt: Es kann sehr sinnvoll sein, ein System in Schichten aufeinander aufzubauen und jede dieser Schichten modular bearbeitbar zu lassen. Somit ist das System vom Start weg perfekt auf Innovation und Disruption ausgelegt.

Sollten all diese Tipps und Vorschläge nicht auf deine Situation passen, kannst du auch etwas generischer nach diesem 3-Schritt Algorithmus vorgehen:

1. Betrachte die beiden Wege zur Skalierbarkeit des Geschäftsmodells. Welche sind damit gemeint? Diese:

Two pathways to business model scalability nach Christian Nielsen and Morten Lund
Quelle: https://dun-net.dk/media/125194/bm-scalability-wp.pdf Abgerufen am: 28.06.2020

2. Betrachte Beispiele und Fragen, die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells aufdecken. Hierzu listen die beiden 9 konkrete Fragen auf, welche Licht ins Dunkel bringen können.

3. Analysiere die aus Schritt eins und zwei folgenden Skalierbarkeitsattribute. Wie? Auch hier geben die beiden ein handliches Schema mit:

Analyzing business model scalability nach Christian Nielsen and Morten Lund
Quelle: https://dun-net.dk/media/125194/bm-scalability-wp.pdf Abgerufen am: 28.06.2020

Ich empfehle sehr sich das Paper anzuschauen, es hilft bei Verständnis und Anwendung skalierbarer Geschäftsmodelle sehr weiter.

Gut. Nachdem du jetzt minutiös weißt, wie du Skalierung einsetzt und welche Fallstricke und Kniffe es gibt, kommen wir nun zum optimalen Startpunkt.

Meine Unternehmung ist bereit zu skalieren – wie starte / beschleunige ich das Ganze nun?

Einige Startpunkte habe ich ja bereits genannt, hier nochmal zentralisiert:

  1. Starte in sehr kleinen, gezielten Experimenten.
  2. Starte direkt mit Skalierung im Hinterkopf und einem skalierbaren Mindset.
  3. Nutze verschiedene Treiber von Skalierbarkeit.
  4. Gehe nach dem Build-Measure-Learn Prinzip vor.

Treiber von Skalierbarkeit:

  • Netzwerkeffekte
  • Multiplikatoreffekte
  • Digitalisierung / digitale Transformation
  • Disruption
  • Selektionseffekte
  • “Winner takes it all” Effekte
  • Dematerialisierung
  • Demokratisierung
  • Demonetarisierung
  • Etc.

Mehr dazu findest du in dieser ausführlichen, finnischen Studie zur Skalierbarkeit.

Wie messe ich Skalierbarkeit und den Erfolg meiner Skalierung?

Die Kurzantwort: Über KPI’s. Da eine ausführliche Besprechung von KPI’s jetzt aber einerseits den Rahmen sprengen und andererseits an anderer Stelle von mir näher ausgeführt wird, hier nur eine kurze und hoffentlich inspirierende Übersicht:

Wichtige KPI’s zu messen bei der Skalierung:

  1. Cash Flow.
  2. [Ziel-KPI] pro Zeit (Ziel KPI kann dabei Kunden, Umsatz, Share of Voice uvm. sein)
  3. Emotionswachstum per Sentimentanalyse: Bleibt die Zufriedenheit auch bei 10x oder 100x mehr Kunden? Das kann zum Beispiel so aussehen.

Generell gilt hier: Jede KPI meines Funnels ist eine KPI die ich messen und verbessern sollte und möchte.

Beispielliste für skalierbare Geschäftsmodelle

Nachdem wir jetzt ausführlich diskutiert haben, was skalierbare Geschäftsmodelle sind und auszeichnet, hier ein paar Inspirationen und Beispiele aus der Praxis auf einen Blick:

Gut skalierbare Geschäftsmodelle und Produkte:

  1. Apps
  2. E-Books
  3. Musikstücke
  4. Filme / Videos
  5. Onlinekurse / aufgezeichnete Offlinekurse
  6. Artikel (Rechte lassen sich zB mehrfach verkaufen)
  7. Offline-Programme wie Word oder Excel
  8. Cloud-Programme wie die Office-Suite oder Google Docs
  9. Plugins und Widgets für z.B. Content Management Systeme wie WordPress
  10. Content Management Systeme
  11. Betriebssysteme wie Android
  12. Plattformen wie Facebook
  13. Spiele für Konsolen, Computer oder Smartphones
  14. Baukästen und Baukastensysteme mit Modulen
  15. Suchmaschinenoptimierung
  16. Webdesign
  17. E-Commerce
  18. Webinare
  19. Live-Streaming
  20. Spezialprodukte wie z.B. Eigene Emojis
  21. (Digitale) Gruppen, z.B. auf Facebook, Foren und Mitgliederbereiche

Unterm Strich: Alles direkt digitale oder nach dem offline-Entstehungsprozess digitalisierte. Oder anders formuliert: Alles mit einer hohen Zeitrendite, also entkoppelt von deiner persönlich investierten Zeit.

Exotische- und mediumskalierbare Geschäftsmodelle und Produkte:

Hier wird es etwas exotischer und experimenteller und jedes dieser Beispiele bedarf einer kurzen Erklärung, daher beschränke ich mich hier auf drei Optionen:

  1. Heimfabriken (3D-Drucker + multidimensionaler Roboter)
  2. Intelligente Materie / 4-D-Druck
  3. KI-Entwickler

Wenn du bis hierher gekommen bist, wirst du sofort mit geübtem Auge sagen: “Das sind physische Produkte! Diese sind nicht skalierbar!” Und damit liegst du prinzipiell richtig.

Doch hier kommt eine völlig neue Dimension ins Spiel: Intelligenz.

Und diese führt zu einer besseren Skalierbarkeit über die Zeit durch Entwicklung und Verbesserung des Produktes durch die Anwendung. Was meine ich damit?

Szenario 1: Die Heimfabrik
Eine Heimfabrik kann zum Beispiel aus einem multidimensionalen Roboter und einem 3D-Drucker bestehen. Die Idee: automatisierte Fertigung im Klein(st)maßstab.
Eine solche Heimfabrik hat zwar Volllasten welche sie unskalierbar macht, allerdings kann durch die extreme Flexibilität beider beteiligter Werkzeuge sofort effizienter und variabler gearbeitet werden. Heißt: Je mehr ich arbeite, desto mehr lerne ich, desto mehr kann ich bei gleichen Kosten schaffen. Dies ist keine “cleane” Skalierbarkeit, erfüllt aber die technische Definition.

Szenario 2: Intelligente Materie
Das wie ich finde spannendste Beispiel der drei betrachteten Szenarien. Zumindest mittelfristig. Hier kann durch die dauerhafte Programmierfähigkeit des Produktes im Optimalfall alles aus dem Grundstoff gemacht werden. Wie Zaubersand nur im Quadrat. Heißt: Einmal entwickelt fallen die gleichen Kosten an aber der ROI wird stetig besser, je nach Anwendungsfall. (zum Beispiel wenn man “Komplexität vermietet” als Geschäftsmodell. Also danach bezahlt wird, was der Kunde mit der intelligenten Materie macht)

Szenario 3: Der KI-Entwickler
Auch hier tauscht der Entwickler technisch gesehen seine Zeit gegen das Ergebnis. Allerdings schafft er hiermit intelligente Programme, welche wiederum Programme für ihn schreiben, welche wiederum Programme schreiben können usw. Wie das geht, ist in diesem TED-Talk anschaulich ausgeführt. Diese Rekursion führt (theoretisch gesehen) zur größtmöglichen Skalierbarkeit.

Das alles im Detail auszuführen würde den Rahmen hier sprengen, wenn du mehr dazu erfahren möchtest und/oder Fragen hast, gern in meinem Innovations-Webinar.

Unskalierbar Teilskalierbar Vollskalierbar

Schlecht skalierbare Geschäftsmodelle und Produkte:

  1. Autohaus
  2. Fleischerei
  3. Bäckerei
  4. Fabrikanlage
  5. Telefonist
  6. LKW-Fahrer
  7. Kundenberater
  8. Pilot
  9. Autor
  10. Bauarbeiter
  11. Und so weiter und so weiter. Beispiele für unskalierbare Geschäftsmodelle zu finden ist so leicht wie das ABC auf zu sagen: Apotheker, Busfahrer, Chemiker… Ich denke du hast das Prinzip verstanden 😉

Spätestens hier sollte klar werden welchen enormen Effekt skalieren auf die Wirtschaft hat.

(Ich beziehe mich bei all diesen Jobs auf das Status-Quo “Standardverständnis” dieser Jobbeschreibungen.)

Hier auch nochmal auf einen Blick:

Skalierbarkeit und Skalierungsfaktoren auf einen Blick

Unskalierbar -> Skalierbar – Beispiele & Blaupause:

Ich nehme dabei einige existierende Fallbeispiele nach folgendem Schema auseinander:

  1. Ausgangslage
  2. Problem
  3. Ziel
  4. Umsetzung(splan)

Schauen wir es uns an:

Beispiel #1: Der Hidden Champion

  1. Ausgangslage: Kunde ist Experte für Hardwarelösungen und betreut eine Vielzahl von Kunden, Projekten und Systemen.
  2. Problem: Durch die Individualität jedes neuen Projektes sind kaum Skaleneffekte einsetzbar.
  3. Ziel: Kunden zum Experten für komplexe technische Hardwarelösungen in einer speziellen Nische machen, sämtliche Kunden in diesem Bereich erfassen und dann in die nächste Nische expandieren. (z.B. statt 15 Computersysteme nur noch eins bis maximal 2 Systeme betreuen, diese dafür besser als jeder andere)
  4. Umsetzung(splan): Paretoanalyse machen. (Je nach Wunsch) schneller ausschließlicher Fokus und Ausbau der besten Nische innerhalb des eigenen Expertenwissens. Fokus auf Wachstum und (weltweiter) Dominanz in dieser Nische.

Beispiel #2: Vom Auftrag zur Software

  1. Ausgangslage: Kunde entwickelt und verwaltet für seinen Endkundenstamm individuelle, hochwertige Softwarelösungen. Die Rechte an den entstehenden Softwareprodukten bleiben bei ihm.
  2. Problem: Durch Komplexität kombiniert mit mangelnder Übertragbarkeit von Wissen und geschaffenen Lösungen ist kein Wachstum ohne zeitgleichen, gleichgroßen oder größeren Mehraufwand möglich. Kunde schreibt so oftmals rote Zahlen.
  3. Ziel: Kunden zum Anbieter von individualisierbarer, ggf. modularer, zentraler Software machen, welche Endkunden nutzen. Dadurch ist einerseits Skalierbarkeit bei weniger Arbeit möglich. Und andererseits können so zeitgleich auch weitere Felder eröffnet werden.
  4. Umsetzung(splan): Paretoanalyse machen. Fokus auf die lukrativsten 3 bis max. 10 Projekte. Zeitgleicher Aufbau einer eigenen Softwarelösung und Test mit bisherigen Kunden. Skalierung im Erfolgsfalle. Andernfalls Software nachjustieren bis Erfolgsfall eintritt.

Diese sind nur zwei von unzähligen Beispielen. Wenn du mehr zum grundsätzlichen Mindset und eventuellen Fallstricken wissen möchtest, schau dir diesen Artikel an. In diesem geht es um Israels StartUp-Ökosystem und wie es Skalierbarkeit quasi in die Muttermilch neuer Firmen legt.

Eine hervorragende grundsätzliche Blaupause findest du im Buch “Scaling Your Startup: Mastering the Four Stages from Idea to $10 Billion”* von Peter S. Cohan. Angelehnt an diese:

Schritte und Stakeholder erfolgreicher Skalierung
Quelle der Inspiration für diese Grafik: https://books.google.de/books?id=LfaEDwAAQBAJ Abgerufen am: 28.06.2020

Sollte das alles noch immer nicht ausführlich genug sein, schauen wir uns nochmal einen direkten Vergleich eines unskalierbaren- und eines skalierbaren Geschäftsmodells an:

Unskalierbares vs. skalierbares Geschäftsmodell

Machen wir das an einem konkreten Beispiel fest. Vergleichen wir Input und Output einer KFZ-Werkstatt.

Während die KFZ-Werkstatt stets die gleichen Kosten pro neuem Auftrag hat, fallen bei einer skalierbaren Nachfrage keine weiteren Kosten pro neuer Anfrage an. „x“ kann also bei gleichem Aufwand jeden beliebigen Wert von 0 bis (theoretisch) unendlich annehmen.

Skalierbarkeit am Beispiel verschiedener Geschäftsmodelle

Skalierbarkeit ist aus einer Perspektive also ein Ansatz den “heiligen Gral” der Effizienz zu bergen: Maximale Ergebnisse bei minimalem Einsatz von Zeit / Energie. Oder, etwas wirtschaftlicher gesprochen: ein Wachstum über das “klassische” Maximum aus Vollauslastung bei maximaler Vergütung hinaus.

Damit haben wir das bisher betrachtete etwas besser veranschaulicht. Bringen wir nun Prinzipien und Praxis reibungslos ineinander fließend zusammen:

Analoges / klassisches Geschäftsmodell: Der Schrank

Zu guter Letzt schauen wir uns jetzt nochmal ein ganz konkretes Beispiel für die Auswirkungen von Skalierbarkeit an. Stellen wir die Herstellung und den Vertrieb eines Holzschranks denen eines E-Books gegenüber. Analog vs. digital, klassisch vs. skalierbar: Here we go!

Um einen Schrank herzustellen brauche ich auch mit Industrie 4.0 immer noch die gleichen Ressourcen, die gleichen Maschinen und die gleichen Mitarbeiter und Arbeitsstunden für jeden neuen Schrank.

Bevor wir nicht aut Catombasis bzw. mittels Replikatoren produzieren, wird sich daran auch nichts ändern. (Wie auch, die Physik spricht dagegen: wir arbeiten aktuell auf Materiebasis, Replikatoren hingegen würden auf Energiebasis arbeiten. Wie gesagt, Materie ist schwer skalierbar)

Damit ist es egal wo oder mit welchem Fertigungsverfahren ich arbeite. Ich benötige für jeden neuen Schrank an Output den gleichen Input an Material und Ressourcen. (Bzw. einen möglicherweise langsam sinkenden dank Lerneffekten, aber das ist in unserem Maßstab vernachlässigbar)

Skalierbare Geschäftsmodelle - Analog bzw. klassisch
Skalierbare Geschäftsmodelle - Digital bzw. skalierbar

Digitales / Skalierbares Geschäftsmodell: Das E-Book

Was wäre nun ein skalierbares Geschäftsmodell?

Nehmen wir das Beispiel des E-Books. Bei einem E-Book habe ich einmal initial verhältnismäßig viel Aufwand. Ich muss Software organisieren, Wissen erwerben, brauche Zeit zum schreiben, recherchieren, redigieren etc.

Heißt für das erste verkaufte Exemplar fallen meine gesamten Erstellungskosten in der Amortisationsrechnung an.

Doch bereits beim zweiten verkauften Exemplar sieht das drastisch anders aus. Angenommen ich mache bei diesem einen Qualitätscheck und basierend auf dem Feedback der ersten Käufer ein paar kleinere Verbesserungen habe ich dennoch bereits jetzt nur einen Bruchteil an Ressourceneinsatz.

Und ab dem dritten verkauften E-Book habe ich praktisch keine Kosten mehr. Ich kann ab hier an nahezu alles automatisieren. Das Wunder der Daten.

Skalierbarkeit durch Abschätzen

Eine zweite Möglichkeit für ein Erstgefühl zur Skalierbarkeit bietet die Bildung einer groben Relation.

Also zum Beispiel anhand eines Trainingsstudios.

Ich kann als topmotivierter Trainer bei 24 Arbeitsstunden pro Tag und einem Kunden pro Stunde ohne Feiertage und Urlaub im Jahr maximal 8.760 Kunden pro Jahr betreuen. Mehr ist rechnerisch nicht möglich und praktisch nicht durchführbar. Dennoch haben wir damit das analoge Maximum.

Das analoge Optimum hingegen wird eher bei 1.840 liegen, davon ausgehend das ich 230 Tage im Jahr arbeite und 8 Stunden pro Tag Kunden betreuen kann.

Und nun kommt die Skalierbarkeit ins Spiel. Dank skalierbaren Lösungen wie z.B. einer Webseite mit automatisiertem Onlinekurs welcher dank automatisierten Übersetzungslösungen für nahezu jeden Menschen verständlich ist, kann ich maximal jeden Menschen auf der Welt betreuen, also mehr als 7.000.000.000 Kunden. Das wäre das digitale Maximum.

Das digitale Optimum fällt natürlich auch hier wieder kleiner aus, wobei es von verschiedenen Faktoren abhängt, wie viel kleiner. Mehr als 3.500.000.000 Menschen werden es aber kaum sein, da gerade mal etwas mehr als 50% der Menschheit Zugang zum Internet haben.

Darauf kommt es aber auch nicht an. Der springende Punkt hierbei ist: Ich bekomme bereits durch kurzes Überschlagen weniger relevanter Daten ein Verhältnis des möglichen Outputs durch verschiedene Lösungen. Und damit eine erste Idee auf die schnelle um die Skalierbarkeit eines Unterfangens zu bewerten.

Das kann dann z.B. so aussehen:

 

Mögliche Kunden digital vs. analog
V

Skalierbarkeit + Markt = (Raum für) Skaleneffekte

Wenn du bis hierher gekommen bist, kennst du zwei von drei relevanten Bereichen in denen Skalierbarkeit wachsen kann. Dein Angebot und seine Optimalbedingungen und dein Unternehmen. Fehlt nur noch ein letztes Puzzlestück: Der Markt in dem das Ganze stattfindet. Schauen wir uns jetzt also die perfekte Umgebung skalierbarer Geschäftsmodelle – und Lösungen an.

Wann ist etwas in der Praxis skalierbar?

Nachdem wir nun die Grundlagen der Skalierbarkeit hinreichend abgeklopft haben, widmen wir uns nun der konkreten Umsetzung. Woran erkenne ich was skalierbar ist und was nicht? Welche Eigenschaften sollten Geschäftsmodelle haben, damit sie skalierbar sind? Gibt es eine gute Faustregel um den Skalierungsfaktor abzuschätzen? (Auch ohne ihn auszurechnen) Von hinten nach vorn.
 

Die Skalierbarkeits-Faustregel

Wie wir bereits gesehen haben, sind vor allem masselose, datenbasierte Unterfangen skalierbar. Was heißt das aber zur schnellen Beurteilung eines Geschäftsmodells in 30 Sekunden im Fahrstuhl?

In kurz: Appstore ja, CERN nein.

Ein Appstore ist ein Musterbeispiel für Skalierbarkeit. Sogar im doppelten Sinne. Er selbst ist skalierbar da er 100% Software ist. Und das Produkt bzw. die Lösung die ein Appstore offeriert ist ebenfalls 100% skalierbar da Software. Ich habe also etwas das horizontal skalierbar ist, da neue Apps im Sekundentakt hinzugefügt werden können. Und zeitgleich etwas das vertikal skalierbar ist, da ich den Appstore selbst orientiert an den aktuellen technischen Möglichkeiten problemlos und Echtzeit aufrüsten kann. (Auf vertikale und horizontale Skalierbarkeit gehe ich gleich noch näher ein)

Deshalb sind Fahrzeuge von Tesla auch denen vieler anderer Autobauer überlegen. Denn Tesla kann über Nacht die Software eines Fahrzeuges updaten und ein Problem von gestern ist direkt gelöst.

Das CERN in der Schweiz ist ein Bilderbuchbeispiel für Unskalierbarkeit. Warum? Ein zweites CERN aufzubauen ist extrem aufwendig aus Gründen der Ressourcenbeschaffung, Standortbestimmung, lähmender Vertragsbasis etc. Die Kosten für Maschinen, Personal, Ausrüstung und Schulung sind nahezu genau so groß wie beim Original. Es gibt nahezu kein Einsparpotential und keine signifikant besseren Outputerwartungen bei einem Model #2.

Natürlich ist das CERN eine Forschungseinrichtung, eine grundlagenorientierte noch dazu. Dennoch zeigt dieses Beispiel gut, wie Skalierbarkeit NICHT erreicht werden kann. Selbst um das Hauptprodukt bzw. die Lösung zu deren Zweck das CERN gebaut wurde zu erreichen ist in jedem noch so kleinen Schritt Arbeit notwendig, die es zum Teil noch nie zuvor gab. Sosehr ich das CERN mag, skalierbar ist es nun wirklich nicht. Anhand dieser beider Pole kann man sich Skalierbarkeit gut merken bzw. sich leicht orientieren.

  1. Eine neue Autofabrik? Nicht skalierbar.
  2. Ein Autohaus? Etwas mehr aber dennoch so gut wie nicht skalierbar.
  3. Eine virtuelle Autoberatung? Besser aber immer noch schwierig.
  4. Ein Livestream im Autohaus mit angehangenem Onlineshop? Skalierbar!
  5. Eine Webseite oder App mit integriertem Konfigurator? Sehr gut skalierbar!
Skalierbare Geschäftsmodelle vs. Unskalierbare Geschäftsmodelle

Skalieren ja. Aber wohin? Eine Kurzanleitung

Du kennst jetzt das Wann, Warum und das Wie, kommen wir zum “Wo”:

In der richtigen Marktnische skalieren

Die richtige Nische zum “hineinskalieren” zeichnet sich durch drei Zielvektoren aus:

  1. Kompetenz / Exzellenz innerhalb der Nische.
    Vorhandene
  2. Konkurrenz / Exzellenz der Konkurrenz.
  3. Nachfrage / Umsatzpotential innerhalb der Nische.
Marktnischenvektoren für Skalierbarkeit

Im Optimalfall sind Kompetenz und Potenzial maximal, während die Konkurrenz minimal ist.

Das Verhältnis dieser Dimensionen zueinander lässt sich hervorragend in einem “Liebesdreieck” darstellen:

Skalieren in der richtigen Nische

Der Grad der Farb-Füllung des jeweiligen Feldes zeigt dabei den Stand des Feldes an. Wenn also zum Beispiel Kompetenz komplett grün ist, Konkurrenz aber nahezu weiß, zeigt dies eine hervorragende Möglichkeit im Markt an.

Wenn ich Premiumlösungen für eine sehr kleine Zielgruppe anbiete, welche auch existiert, allerdings mit Dutzenden anderen Konkurrenten um diese kleine Nische konkurrieren muss, ergibt dies keinen Sinn. Schweizer Uhren sind dafür ein gutes Beispiel. In diese Nische neu einzudringen ergibt nur in Kombination mit Innovation Sinn. (Sei es im Marketing oder dem Produkt)

Ein guter Algorithmus dafür ist im Buch “Blue Ocean Strategy”* zu finden.

Wann solltest du eher die Finger von Skalierbarkeit lassen?

Skalierbarkeit ist keine eierlegende Wollmilchsau die immer und in jeder Situation perfekte Resultate erzielt. Auch hier gibt es Indizien, bei deren Bestehen du deinen Fokus eher auf andere Gebiete legen solltest:

  1. Wenn du Skalierung um der Skalierung Willen betreibst. Skalierung ist kein Selbstzweck sondern ein Mittel zu diesem.
  2. Wenn die skalierbare Lösung / das gewählte skalierbare Geschäftsmodell nicht zu dir passt. Vor allem für Einzel- und Kleinunternehmen gilt die Faustregel: Leidenschaft > Skalierung.
  3. Wenn die zu skalierende Lösung noch nicht unskaliert funktioniert. Hier gilt das gleiche wie beim Aufbau von Gewohnheiten: Bringe es erst routinemäßig zum laufen und verbessere danach. Wie an verschiedenen Stellen bereits geschrieben: Mache einen Kunden glücklich, dann zehn und schaue danach, wie du daraus 100.000 machen kannst.

Wenn du dieses Trivium ausschließen kannst, kommen wir zum marktorientierten Start skalierbarer Lösungen:

Womit beginnen? 3 einfache Entscheidungsmöglichkeiten

Kundenzentriert haben wir uns ja bereits eine Einstiegsmöglichkeit in Skalierung angeschaut. Die ersten 1-100 bzw bis 1.000 Kunden, bzw. im Optimalfall “Superfans” sollten noch nicht skaliert angegangen, sondern individuell betreut werden. Mit Skalierung von Sekunde Eins an im Hinterkopf. Doch spätestens ab der nächsten Zehnerpotenz, also ab 10.000 Kunden sollte man den Fokus auf reibungsloses skalieren legen.
Soweit der kundenzentrierte Ansatz.

Es gibt allerdings auch eine Reihe von Gründen, nicht direkt- bzw. alternierend mit einem marktzentrierten Ansatz zu beginnen. Wenn der Zielkunde z.B. noch nicht 100% klar ist, wenn nicht klar ist, wie viele Zielkunden die gewählte Nische hergeben etc.

In diesem Falle ergibt es Sinn, sich am Markt zu orientieren. Denn damit hat man eine Leitplanke welche den Praxistest bereits über längere Zeit erfolgreich bestanden hat.

Und dies geht am einfachsten nach drei Ansatzpunkten:

  1. Preis
  2. Produkt
  3. Partner

Schauen wir uns jeden dieser Punkte etwas genauer an:

Einstieg und Wachstum über Preise

Grundregel: Je teurer etwas ist, desto unwahrscheinlicher wird die Skalierung. Das gilt natürlich in Abhängigkeit vom jeweiligen Markt bzw. der individuellen Nische, ist aber eine gute Groborientierung. Ausgeklammert hierbei sind zum Beispiel Luxusmärkte, welche in der Regel einer anderen Preissensitivität unterliegen.

So gestaltest du Skalierung vom Start weg mit der Preisgestaltung:

1. Preiserhöhung:

Preiserhöhungen sorgen für klarer abgesteckte Nischen bei zeitgleich höherem Umsatz und weniger Nachfragen. Hierzu sollten allerdings a) die Produktqualität und b) die Produktart stimmen. Bei zeitgebundenen bzw. saisonalen Preisen funktioniert dies zum Beispiel nur eingeschränkt.
Preisgestaltung auf Basis des erzeugten Wertes: Einer der besten Ansätze zur Preisanpassung ist die Bindung des Preises an den Wert den das produkt für den Kunden erzeugt. Spart es dem Kunden zum Beispiel 100 Stunden Arbeit im Monat und der Kunde hat einen Stundenlohn von 100€ pro Stunde, kann das Produkt über den Daumen gepeilt um die 10.000 € kosten. Mehr dazu auch in diesem lesenswerten Artikel.

2. Preisgestaltung auf Basis der aktuellen Unternehmenssituation:

Es gibt natürlich noch eine Vielzahl weiterer Preisstrategien. Und jede davon hat ihre Berechtigung. Daher ergibt es Sinn, sich zunächst einen Überblick zu machen und dann die Strategie der aktuellen Situation anzupassen. Einen guten Einstieg bildet diese Präsentation der Universität St. Gallen.

Einstieg und Skalierung über das Produkt

Das Produkt ist neben der Vermarktung dieses Produktes einer der beiden Fundamentteile jeder Unternehmung. So auch der Skalierung. Daher ergibt es Sinn mit diesem Vektor ins skalieren zu starten. Möglichkeiten dazu sind:

Skalierbarkeit mit Fokus auf dem Produkt beginnen:

1. Produkte von Sekunde eins an mit einem “Skalierbarkeits-Mindset” erstellen.

Also schon bei der Idee, schon beim Business Model Canvas die spätere Skalierung mit einfließen lassen. Heißt: Lang vor dem ersten Prototypen, bereits vor der ersten Machbarkeitsanalyse solltest du sicherstellen, dass das finale Resultat im Erfolgsfalle auch wirklich jeden Kunden auf dem Erdball reibungslos erreichen kann.

2. Produkte so wählen / designen / planen, dass sie keine ununterbrochenen Updates oder Feedbacks benötigen.

Und falls doch, automatisierte / zentralisierte Lösungen wie zum Beispiel FAQ’s oder Chatbots einplanen.

3. Im Optimalfall mit “multipler Skalierung / Skalierbarkeit” planen:

Also zum Beispiel eine Plattform als Produkt wählen, auf welcher Kunden Produkte erstellen, die wiederum ebenfalls skalierbar sind. Digistore24 ist ein gutes Beispiel für so eine Lösung. (So nutzt das Produkt Plattformeffekte, Digitalisierungs- und Dematerialisierungseffekte etc. Faustregel hierbei: Je mehr Effekte vereint, desto besser)

Einstieg und Expansion über ausgewählte Partner

Franchising und Outsourcing haben wir ja bereits behandelt, es gibt aber auch noch andere Wege Partner gezielt im Skalierungsprozess einzusetzen. Vor allem direkt am Start.

So kannst du von Sekunde eins an Partner gezielt in deinen Skalierungsprozess einbinden:

  • Saisonal, durch Junior-Partner-Modelle oder den gezielten Einsatz von Freelancern können mit wenigen Verpflichtungen und keinen großen Verträgen wie z.B. oftmals beim Outsourcing von Sekunde Eins an Vorteile erzielt werden.
  • Skalieren mittels Skalierung: Affiliate-Marketing kann ein hervorragender Hebel zum Start sein.
  • Lizenzierung, Nutzungsrechte und andere Formen spezieller Nutzung: Ähnlich wie beim Franchising und Affiliate Marketing gilt auch in diesen Formen indirekter Vermarktung das Prinzip “Skalieren über Knotenpunkte”. Im Optimalfall ist einer dieser Knotenpunkte ein Multiplikator, dann funktioniert dieses Prinzip am besten. (Multiplikatoren sind zum Beispiel “Influencer”, also Knotenpunkte mit enormer Reichweite)

Exkurs: Skalierbarkeitsfaktoren & Skaleneffekte

Und damit kommen wir so langsam aber sicher am Ende dieses kleinen Artikels an. Was fehlt noch um ihn abzurunden? Eine Kurzübersicht über die direkten Kräfte bzw. Messpunkte welche unter den aufgeführten Modellen und Systemen liegen. Skaleneffekte.

Gehen wir also auch hier wie immer systematisch vor.

Der Skalierbarkeitsfaktor – Was sagt er und wie hilft mir das?

Da Skalierbarkeit, ganz allgemein gesprochen, das Verhältnis von Aufwand zu Nutzen beschreibt, zeigt der Skalierbarkeitsfaktor konkrete Effizienzveränderungen an. Manchmal liest man hierzu synonym auch “Skalenertrag”, “Skaleneffekt”, “Größenvorteile” oder “Größenkostenersparnisse”.

Also die Veränderung von Leistung- bzw. Mehrwert pro hinzugefügter Ressourceneinheit.

Das heißt der Skalierbarkeitsfaktor misst so genau wie ich es kann und möchte, ob meine Skalierung auch aufgeht. Also salopp gesprochen, ob ein weiterer eingesetzter Roboter auch tatsächlich zu doppelt so vielen gefertigten Teilen führt.

Der Skalierbarkeitsfaktor kann positiv oder auch negativ sein, je nachdem ob eine weitere hinzugefügte Ressource mehr oder weniger Wert hinzufügt.

Man unterscheidet dabei in drei Kategorien:

  1. Lineare Skalierbarkeit: Der Skalierungsfaktor bleibt pro hinzugefügter Einheit gleich. Ein weiterer Roboter, doppelte Leistung.
  2. Super-lineare Skalierbarkeit: Skalierungsfaktor nimmt pro hinzugefügter Einheit zu. Ein weiterer Roboter, drei- vielfache Leistung.
  3. Sub-lineare Skalierbarkeit: Skalierungsfaktor nimmt pro hinzugefügter Einheit ab.
    Ein zusätzlicher Roboter, nur anderthalbfacher, bzw. kleinerer als doppelter zusätzlicher Output.

Skaleneffekte – Wer beeinflusst hier was in welcher Form?

Wie oben bereits ausgeführt, sind Skaleneffekte mehr oder minder Synonyme für Skalierbarkeitsfaktoren. Mit dem Unterschied, dass Skaleneffekte oftmals etwas allgemeiner und weiter “von oben” betrachtet werden, während Skalierbarkeitsfaktoren ins Reich der Nachkommastellen gehen. Heißt: Selbes Prinzip, je nach Anwender und Kontext aber unterschiedlich tief angewandt.

Wie du Skaleneffekte durch den gezielten Einsatz von Technologien verstärkst

Hier wollte ich ursprünglich noch eine hypothetische und einige eigene Fallstudie diskutieren, allerdings ist dieser Artikel jetzt schon viel länger geworden, als geplant. Sollte dich dieser Teil dennoch interessieren, bist du in meinem kostenlosen Innovationswebinar richtig.

Heißt: Wenn du Fallbeispiele hören möchtest, wie ich Skalierbarkeit und skalierbare geschäftsmodelle mit Suchmaschinenoptimierung, Webdesign und E-Commerce in Form von Onlinekursen, Webinaren und Affiliate Marketing einsetze, melde dich für mein kostenloses Innovationswebinar an.

Fazit & Fragen

Skalierung, Skalierbarkeit, skalierbare Geschäftsmodelle und Skaleneffekte können im ersten Moment so verwirrend wie einschüchternd wirken.

Wenn man sich aber erst einmal mit ihnen auseinandergesetzt hat, können sie zu enormen Gewinnen für alle Beteiligten Seiten führen.

Ich hoffe ich konnte zu diesem “Aufklärungsprozess” beitragen.

Skalierbarkeit ist nicht die Lösung für alles. Aber richtig verstanden und eingesetzt kann sie ein extrem mächtiges Werkzeug bieten. Ich hoffe dieser Artikel konnte ein wenig zu diesem Verständnis beitragen.

Falls noch Fragen offen geblieben sind, gibt es ja wie gesagt auch noch mein kostenloses Innovationswebinar. Oder die FAQ mit den häufigsten Fragen gebündelt:

Was ist der Skalierungsfaktor?

Der Skalierungsfaktor ist das Verhältnis von Input zu erzieltem Output pro hinzugefügter Einheit. Also zum Beispiel ob zwei Maschinen auch tatsächlich die doppelte Leistung von einer Maschine erreichen.

Wie geht skalieren?

Skalieren geht am besten in 3 Schritten: 1. Produkt bereits mit Skalierung im Hinterkopf planen, 2. Produkt und Prozesse im kleinen ausführlich testen, 3. Fokus auf schnelle und große Verbreitung und Vermarktung des Produktes setzen.

Was ist ein skalierbares Geschäftsmodell?

Ein skalierbares Geschäftsmodell ist ein Geschäftsmodell, welches Skaleneffekte in seinem Wachstumsverlauf zulässt. Nahezu jedes digitale Geschäftsmodell ist skalierbar.

Was bedeutet skalieren?

Skalieren bedeutet mehr Output pro gleichem (hinzugefügtem) Input zu erreichen.

Hiroshima vor der Atombombe

Atomwaffen – Wie wir eine nutzlose Zivilisationsgefahr loswerden

Hiroshima vor der Atombombe

Hiroshima vor- und nach dem Atomwaffen-Angriff. Quelle: https://allthatsinteresting.com/wordpress/wp-content/uploads/2018/03/before-and-after-hiroshima.jpg

Atomwaffen

Die großen Brüder der (vergessenen) Eisenbahngeschütze​

Atomwaffen zählen zu der Art von Innovationspfaden, die gehörig schief gingen und die wir ausmustern sollten. Ab auf den Friedhof der unsinnigen Erfindungen mit Ihnen. Warum das so ist, dazu mehr jetzt.

Noch ein Satz vorweg: Wer mich kennt, der weiß ich setze mich mit neben digitaler Transformation in allen Formen und Farben auch mit u.a. (potenziellen) Existenzbedrohungen auseinander. (Bevor du fragst: Ja, auch künstliche Intelligenz kann solch eine sein, aber dazu mehr an anderer Stelle)

😊 Die gute Nachricht direkt zum Start: Die Zahl der Atomwaffen ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten kontinuierlich gesunken:

Und zwar drastisch. Und diese Entwicklung hält bis heute an.

Ist damit alles gut? Leider nein…

Nuklearwaffen Entwicklung über die Zeit
Quelle: https://fas.org/issues/nuclear-weapons/status-world-nuclear-forces/

😐 Die nicht ganz so gute Nachricht: Die aktuelle Anzahl der Kernwaffen reicht immer noch aus, die gesamte Erde mehrmals zu pulverisieren, bzw. den sogenannten “Overkill” (Zu Deutsch: Die “Mehrfachvernichtungskapazität”) zu erreichen. (Also die Menschheit mehrfach auszulöschen bzw. die Erde derart lebensfeindlich zu hinterlassen, dass nach der atomaren Apokalypse langsam alles zu Grunde geht)

Nicht nur das, laut einer Schätzung reichen bereits 100 Atombobmenexplosionen aus, um die Erde in einen verwüsteten Ort voller Hungersnöte, Krankheiten und rundum trostloser Existenz zu verwandeln. Wer mehr dazu wissen möchte, kann diesen deutschsprachigen Artikel zur oben verlinkten Studie lesen.

Seiteinschub: Wer dem Gedankenexperiment folgen möchte, was denn ALLE Atomwaffen kombiniert mit der Erde machen (würden), die Visualisierungsprofis von Kurzgesagt haben dazu bereits ein Video gemacht:

☹️ Und jetzt die am wenigsten gute Nachricht von allen: Quantität ≠ Qualität. Was beim Essen gilt, gilt offenbar auch für Atomwaffen.

Denn nur weil es weniger Sprengköpfe werden, bedeutet das leider nicht, dass sie auch weniger gefährlich werden:

“Die Zahl der Atomwaffen weltweit nimmt jedes Jahr leicht ab, da Russland und die USA langsam überflüssige Arsenale verschrotten. Dies ist jedoch in Wahrheit keine aktive Abrüstung, sondern nur die Entledigung von überflüssigen, nicht mehr gebrauchten Sprengköpfen. Wenn die Atomwaffenstaaten abrüsten würden, müssten sie nicht über 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr in ihre Arsenale investieren.”

Wie diese Entwicklung bezogen auf die Sprengkraft während der kontinuierlichen technologischen Weiterentwicklung aussieht, visualisiert diese Grafik gut:

Atombomben und Kernwaffen Sprengkraftentwicklung
Quelle: https://allthingsnuclear.org/emacdonald/more-nukes-will-not-make-anyone-safer

Und zeitgleich werden diese auch immer kleiner, was diese beiden Grafiken gut zeigen:

Nuklearwaffen Größen
Quelle: https://www.globalsecurity.org/wmd/systems/nuke-size.htm
Atomwaffen Größenvergleich
Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/78/Nuclear_weapon_size_chart.jpg

Wer sich jetzt denkt: “Oh Man, warum denn dieses Thema schon wieder? Haben wir denn keine anderen Probleme als Relikte eines kalten Krieges aus der tiefen, ja sogar prädigitalen Vergangenheit?

Den muss ich enttäuschen. Auch heute noch können binnen von Sekunden Hunderttausende zu Glas, Asche und buchstäblichem Nichts verdampft werden. Durch einen einzigen falschen Befehl bzw. eine sehr unglückliche Verkettung unterschiedlicher Umstände.

Wie grauenvoll das Ganze ist / sein kann, zeigen diese beiden Videos:

Wenn du jetzt noch immer skeptisch bist ob Atomwaffen für dich irgendeine praktische Relevanz haben, empfehle ich dir sehr mal folgende Onlinesimulation mit deiner Stadt bzw. der nächsten Großstadt in deiner Nähe anzuwerfen: https://nuclearsecrecy.com/nukemap/.

Seiteinschub: Wer das ganze dreidimensional haben möchte, kann das über Umwege nach folgendem Ablaub machen: https://nuclearsecrecy.com/nukemap3d/

Für Berlin sähe diese Simulation zum Beispiel so aus:

Atomwaffen Simulation Nukemap
Quelle: https://nuclearsecrecy.com/nukemap/

Berlin und Potsdam wären damit verbrannt bzw. auseinandergerissen und zerfetzt. Etwa anderthalb Millionen Menschen wären binnen von Sekunden verdampft und eingeäschert, etwa nochmal so viele verletzt. Und das sind die die noch Glück haben. Denn ohne Infrastruktur kommt Hilfe nur langsam zu Ihnen. Was die folgenden Stunden zu einer endlosen Qual in einer buchstäblichen Hölle macht. Und da sind die Langzeitfolgen von Strahlung, Traumata etc. noch gar nicht benannt.

 

So weit, so schlecht

Jetzt wissen wir also das Atomwaffen zerstören können. Soweit warst du vermutlich auch vorher schon. Doch was macht sie dann sinnlos? Wenn sie doch Ihren Zweck, Zerstörung in absurdem Ausmaß erreichen?

Vor allem der Fakt, dass das Hauptargument für Atomwaffen die „gegenseitig zugesicherte Vernichtung“ ist. (Mutual assured Distruction, MAD)

Diese allerdings wenig effektiv ist, da konventionelle Waffen mittlerweile ähnliche Detonationsenergien freisetzen können. (Und einige Staaten auch bereits an automatisierten Waffen und Waffensystemen im All experimentieren)

Heißt: Wir haben eine Vielzahl von Möglichkeiten und kollektiv über den Jordan zu schicken, Atomwaffen braucht es dabei nicht zwingend. Heißt aber auch: Warum zur Molekularstruktur haben wir die dann noch?! (Wer tiefer in diese Argumentation eintauchen möchte, dem empfehle ich das Buch „Aufklärung jetzt“ von Steven Pinker)

 

 

Ich denke also wir können uns durchaus darauf einigen, Atomwaffen zum alten Eisen zu werfen. Doch das führt direkt zur nächsten Frage: Wie machen wir das am besten?

Da gibt es glücklicherweise mehr als eine Möglichkeit. Und diese verschiedenen Optionen können auch noch parallel laufen. Toll, oder? Schauen wir sie uns nacheinander an:

 

Der Atomwaffensperrvertrag. Oder: Die Staatsebene

Der Atomwaffensperrvertrag ist eine der besten Ideen, welche die Menschheit bisher hatte. Zumindest wenn es um Atomwaffen geht. Denn dieser ist der einzig bindende, multinationale und unbegrenzt gültige Vertrag zur Eindämmung atomarer Bedrohungen. Bis auf vier Staaten (Indien, Israel, Pakistan und dem Südsudan) sind ALLE Länder dieser Erde Mitglied in diesem. (Nordkorea seit 2003 ausgenommen, was dort final rauskommt weiß aber noch keiner)

Der Atomwaffensperrvertrag sagt im Wesentlichen drei Dinge:

  1. Nichtverbreitung – Alle Staaten, die keine Kernwaffen haben, bauen keine. Und die Staaten, die welche besitzen, verbreiten Sie nicht.
  2. Abrüstung – Die Verpflichtung zur systematischen atomaren Abrüstung aller Atommächte.
  3. Atomenergie – Alle Atommächte sind verpflichtet andere Staaten bei der zivilen Nutzung von Kernenergie unter die Arme zu greifen. (Kleiner Fakt am Rande: statistisch gesehen ist Kernenergie, selbst durch Kernspaltung die sicherste momentan bekannte Möglichkeit Energie zu erzeugen. Denn allein die Luftverschmutzung ist mehr als nur tödlich. Tatsächlich kommt eine neue Studie zu dem Schluss, dass die Schließung von Fukushima mehr Menschen getötet hat, als die Explosion. Aber dazu mehr an anderer Stelle)

Wer mehr dazu wissen möchte, findet hier eine etwas ausführlichere Version dieser Drei-Punkte Zusammenfassung.

Natürlich ist auch dieser Vertrag nicht das gelbe vom Ei von jeder Position aus. Aber er ist definitiv das beste was dir bisher geschafft haben. Und wenn wir das hinbekommen haben, kriegen wir auch noch mehr als einen simplen Atomwaffensperrvertrag hin, oder?

 

Atomwaffen weltweit

Welche Länder haben aktuell noch Atomwaffen? Das zeigt das Nuclear Notebook vom Bulletin of the Atomic Scientists sehr gut. Die wichtigsten Grafiken, aufgeschlüsselt nach Land und Arsenalumfang:

Atomare Abrüstung – Was jeder von uns tun kann

Atomare Abrüstung ist bezogen auf Kernwaffen das sinnvollste das wir tun können. Ich denke spätestens nach den obigen Zeilen und Bildern stimmst du mir da zu.

Doch was kann jeder von uns konkret tun? Und mit jeder meine ich wirklich jeder, nicht nur dich der gerade diese Zeilen liest.

Ein guter Start ist wahrscheinlich als erstes Abstand von der irrationalen Atomwaffen-Romantik zu nehmen. Diese „makabere Faszination“ wie sie Steven Pinker in seinem Buch „Aufklärung jetzt“ nennt, basiert im Wesentlichen auf zwei Dingen:

  1. Atomwaffen werden von einigen als materialisierte Beweise für die Herrschaft des Menschen über die Natur gesehen. Laut dieser Idee sind wir dank atomaren Waffen mittels unserer Technologie zu Göttern geworden.
  2. Da man Atomwaffen mittlerweile in jedem zweiten Film / Spiel sieht und sie zu einem gewissen Grad bereits zu „Popkultur“ geworden sind, herrscht kein irgendwie geartet realistisches Verhältnis zu diesen Annihilatoren vor. Wie auch, es ist ja denkbar unwahrscheinlich, dass man mal eine in Aktion erlebt. Und wenn dies der Fall ist, ist es bereits zu spät.

Deshalb hier ein einfaches Gedankenexperiment, welches imaginäres Licht ins Dunkel bringen sollte: (Achtung: Das nachfolgende Gedankenexperiment kann zartbesaitete Geister ggf. leicht verstören)

 

  1. Setze dich kurz entspannt hin und führe dir vor Augen, wofür du lebst. Weshalb du tust was du tust und bist wer du bist. Was ist der Grund für den du jeden Morgen aufstehst? Deine Familie? Deine Freunde? Die Gesellschaft? Du selbst? Dein Verein? Was ist es das dir täglichen Antrieb, Motivation und Energie verleiht? Hast du?
  2. Stell dir vor wie es stirbt. Wie es verdampft, verbrennt, schreiend zerfällt.

Jetzt hast du ein realistisches Bild von Atomwaffen. So einfach kann’s gehen. Möchtest du jetzt (endlich) etwas gegen sie tun? Los geht’s!

 

Kleiner globalkultureller Exkurs; Ich habe ja geschrieben was JEDER tun kann. Damit meine ich wirklich JEDEN Menschen auf dieser Welt. Wie? Folgendermaßen: Nachfolgend findest du die Menschheit eingeteilt nach Einkommen bzw. praktischer Visualisierung der Lebensumstände welche dieses Einkommen pro Stufe nach sich zieht. Je nachdem welche Möglichkeiten du dir leisten kannst, kannst du sie in Relation auch einsetzen um gegen Zivilisationsgefahren zu Felde zu ziehen.

(Atomare Abrüstung ist wahrscheinlich nicht das beste denkbare Beispiel dafür, dennoch: Ich bin ein Unterstützer der 4-Stufen Einteilung nach Hans Rosling und gebe so gut ich kann meine Ideen für jede Stufe.) Here we go:

Stufe 1

level1

Was du tun kannst:

Da dich das nahezu nicht betreffen wird, kannst du dir hier vor allem Gewahr sein und gegen die Wurzeln zu Felde ziehen. Also dich vor Ort in Gruppen engagieren und Aufklärungsarbeit leisten. Doch ehrlich: Du hast sehr wahrscheinlich andere, dringendere Probleme gerade. Dennoch danke das du dich damit auseinandersetzt. Das allein sollte schon über den Lauf der Zeit das eine oder andere verändern. (Du führst Gespräche anders, handelst halbbewusst anders etc.)

Stufe 2

level2

Was du tun kannst:

Nahezu das gleiche wie Stufe 1, ansonsten gehe wählen und engagiere dich (lokal)politisch sofern das möglich ist und setze dich positiv ein. Aber auch hier: Keiner macht dir einen Vorwurf, wenn das nicht deine Toppriorität ist.

Stufe 3

level3

Was du tun kannst:

Auf dieser Stufe ergibt es (wahrscheinlich) erstmals praktisch umsetzbar relevant Sinn über die Atomproblematik nachzudenken. Bzw. Ihre Lösung und deinen Beitrag dazu.

Was du also neben den Maßnahmen der ersten beiden Stufen tun kannst, ist z.B. Kontakt mit lokaler Wirtschaft und Unternehmen zu suchen und deinen Hebel so zu vergrößern, also besser gehört zu werden.

Und dann Zivilisationsgefahren generell mehr ins kollektive Bewusstsein und Handeln bringen.

Stufe 4

level4

Was du tun kannst:

Die Mitglieder dieser Stufe haben den größten Hebel in der Hand.

Was du konkret, kontinuierlich und automatisiert tun kannst, dazu mehr weiter unten.

Wenn du in den USA lebst / jemanden kennst der dort lebt, schau dir das hier mal an.

Ansonsten kann ich generell sehr empfehlen sich mit dem effektiven Altruismus und seinen Möglichkeiten auseinanderzusetzen, da sind Zivilisationsgefahren stets mit auf der Agenda. Mehr dazu z.B. hier.

So sieht die Menschheit eingeteilt in Einkommenslevel in einer Grafik auf einen Blick aus:

Menschheit in 4 Einkommensleveln nach Rosling und Gapminder
Quelle: Menschheit in 4 Einkommensleveln nach Rosling und Gapminder, https://www.gapminder.org/topics/four-income-levels/

Wer mehr zu der 4-Stufen Einteilung von Rosling lesen möchte, dem kann ich diese Links empfehlen:

Und natürlich das Buch “Factfulness” dazu von Hans Rosling.

 

Kernwaffen – So halten wir sie auf (Vor allem an alle Stufe 1 Bewohner)

Was können wir als Gemeinschaft / Gesellschaft denn tun um Kriege und Angriffe mit Kernwaffen zu verhindern? Da gibt es überraschende Optionen:

  • Ernsthaft überlegen das Fisher Protokoll zum Standard zu machen. (Bei diesem ist der Schlüssel zur Kernwaffe innerhalb, zum Beispiel im Magen eines Freiwilligen befestigt. Dieser ist stets, zusammen mit einer Machete oder einem großen Messer in der Nähe des Presidenten. Das Messer dient dazu, den Atomcode aus dem Freiwilligen herauszuholen. Der President müsste also erst diesen Freiwilligen töten, bevor er einen Atomkrieg starten könnte. Psychologisch sehr effektiv.) 
  • Ein internationales Erstschlagverbot erwirken. Wo kein Erstschlag, da kein Atomkrieg.
  • Ein internationales Kontrollprogramm für spaltbares Material ins Leben rufen um die Grundlagen von Kernwaffen zu eliminieren.
  • Verbesserung internationaler Beziehungen generell, denn: Alles was die Gefahr eines Krieges verringert, verringert auch das Risiko eines Atomkriegs.
  • Mehr Aufklärung zu dem Thema wie z.B. von Kurzgesagt oder die ICAN umsetzen.
  • Eine vollumfängliche Abrüstungsspirale in Gang setzen (auch was die Detonationskraft pro Atomwaffe anbelangt)
  • Fokus auf die Top 9 Länder die bereits Kernwaffen besitzen. (Und vor allem die Top 2, Amerika und Russland) Da die aktuelle Besitzverteilung von Atomwaffen aktuell wie in der Grafik dargestellt aussieht, ist der Fokus der Abrüstungsbemühungen klar: (Basierend auf den besten öffentlich zugänglichen Daten. Natürlich wird es möglicherweise “Dunkelbestände” geben etc., was aber an der Schwerpunktlegung nichts ändert)
Atomwaffen weltweit
Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/36401/umfrage/anzahl-der-atomsprengkoepfe-weltweit/

Der Fokus sollte wie gesagt zunächst auf Russland und den USA liegen und dann / im adäquaten Verhältnis abgeschwächt auch für die anderen Staaten. Es ergibt wahrscheinlich Sinn, dabei einen Zwei-Stufen-Plan zu verfolgen.

  1. Reduktion sämtlicher Atomwaffen bis jede aktuelle Atommacht maximal 50-100 Atomwaffen besitzt.
  2. Reduktion der weltweiten Atomwaffenbestände auf 0.

Warum dieser Plan und keine direkte globale Komplettabrüstung? Im Wesentlichen um ein Pazifistendilemma zu vermeiden. Also den Status, dass eine einzige Atommacht noch nuklear bewaffnet ist, während alle anderen dies nicht mehr sind und diese dadurch dann dominieren kann.

Was kannst du also konkret tun?

Im Wesentlichen: Sei routiniert und automatisiere so viel wie möglich. Ausdauer ist hier das Schlüsselwort. Menschen sind Gewohnheitstiere. Das können wir uns ausnutzen indem wir es den Entscheidern bzw. deren engeren Kreisen zur Gewohnheit machen Ihre Aufmerksamkeit auf die atomare Abrüstung zu legen.

Wenn du grafisch begabt bist, kannst du auch z.B. hier mithelfen, die nächsten Krisenposter besser zu machen. Wie immer gilt: Es gibt immer etwas zu tun!

Das bedeutet zum Beispiel:

  1. Suche dir die Kontaktdaten der wichtigsten Entscheidungsträger heraus. Das könnten in Deutschland z.B. Militärs der Bundeswehr sein.
  2. Schreibe eine Reihe von E-Mails vor und automatisiere deren Absendung soweit es Sinn ergibt. (Eine wöchentliche Erinnerung z.B. scheint sinnvoll)
  3. Teile diesen Plan mit so vielen deiner Freunde und Bekannten wie möglich und bindet automatisiert Aufmerksamkeit und Zeit.
  4. Ruft alternierend dazu regelmäßig in den entsprechenden Stellen an, ob denn die Mails angekommen sind und wann eine Antwort zu erwarten ist.

 

Du kannst weiterhin die Umgebung der Arbeitsorte dieser Entscheidungsträger gezielt verändern. Die Idee dahinter ist zweierlei:

  • Erstens schaffst erst du deine Umgebung und dann schafft deine Umgebung dich. (Wenn auch dein Wohnzimmer rund um den Fernseher aufgebaut ist, weißt du was ich meine)
  • Zweitens gilt: Wenn die Botschaften über lange Zeit in die Köpfe einwirkt, verändert sich so langsam aber sicher etwas in diesen. So das besagte Militärs früher oder später zu zweifeln und hinterfragen beginnen. Denn jetzt sind Sie ja regelmäßig moralischen Argumenten ausgeliefert. Bis sie irgendwann kündigen bzw. selbst eine Gegenposition beziehen. Und wenn den Atomwaffen die Mitarbeiter ausgehen, gibt es keine mehr.

Das kann zum Beispiel so aussehen:

  1. Finde heraus, wo genau besagte ranghohe Entscheidungsträger wohnen und arbeiten und schau dir Ihren Arbeitsweg an.
  2. Verändere gezielt relevante Details und Umgebungseigenschaften unauffällig aber wahrnehmbar. Du kannst also zum Beispiel alte Plakete an denen man zwangsläufig vorbeikommt überkleben oder Sticker an verschiedene Plätze auf Augenhöhe kleben.
  3. Wenn du das ganze fortgeschritten umsetzen möchtest, planst du die gesamte Route als „Geschichte“ bzw. Argumentationsweg: Am Anfang des Weges ein paar Fakten zu atomarer Vernichtung, in der Mitte ein Paar zur Abrüstungshistorie und am Ende ein paar konkrete Vorschläge zur Umsetzung. Et voila, den Rest erledigt die Zeit. (So die Idee)

Das Ganze kannst du natürlich noch auf die Persönlichkeit des Entscheidungsträgers abstimmen etc. Die Idee ist in jedem Falle sein Umfeld mit neuen, prohumanen passiven Impulsen zu versehen.

Natürlich bin ich nicht der Einzige, der konkrete Handlungsvorschläge hat. Und definitiv bin ich nicht der Bestqualifizierteste dafür. Aber ich kann die am besten dafür Qualifizierten fragen. Und das habe ich getan. Ihre Antworten? Hier:

Das sagen die Experten:

Ich habe um diesen Artikel abzurunden verschiedene Experten rund um den Globus um Ihre Empfehlungen und Hinweise gebeten. Die beste Antwort kam direkt von der ICAN. (Richtig, die mit dem Friedensnobelpreis) Darum ungekürzt und in voller Pracht Ihre Antworten auf meine Fragen. Here we go:

 

Was sind Ihre 3 Tipps die jeder Leser sofort umsetzen kann um zur nuklearen Abrüstung beizutragen?

 1.   Städteappell

 

Städte stellen bei einem eventuellen Atomangriff die primären Ziele dar und sollten daher Teil der Diskussion um Atomwaffen sein. Mit dem ICAN Städteappell können sich Städte für den Atomwaffenverbotsvertrag aussprechen und die Bundesregierung zum Handeln auffordern. Der Appell, den schon 55 Städte in Deutschland unterzeichnet haben lautet wie folgt: 

“Unsere Stadt/unsere Gemeinde ist zutiefst besorgt über die immense Bedrohung, die Atomwaffen für Städte und Gemeinden auf der ganzen Welt darstellen. Wir sind fest überzeugt, dass unsere Einwohner und Einwohnerinnen das Recht auf ein Leben frei von dieser Bedrohung haben. Jeder Einsatz von Atomwaffen, ob vorsätzlich oder versehentlich, würde katastrophale, weitreichende und langanhaltende Folgen für Mensch und Umwelt nach sich ziehen. Daher begrüßen wir den von den Vereinten Nationen verabschiedeten Vertrag zum Verbot von Atomwaffen 2017 und fordern die Bundesregierung zu deren Beitritt auf.“ 

Dabei kann jede*r Leser*in die Mitglieder des Stadtrates oder des Senats Ihrer Stadt auffordern, sich dem Appell anzuschließen. In jeder Stadt sieht der Weg anders aus, also muss man sich zunächst fragen, wie das genau geht, beispielsweise durch eine Fraktion oder einen Ausschuss.

Wenn man nicht so viel Zeit hat, kann man uns auch bei dieser Aktion helfen, indem man einfach auf Facebook, Twitter oder Instagram ein Foto eines Ortes in der Stadt, den man liebt, postet. Dazu schreibt man #ICANSave und dahinter den Namen der Stadt.

 

2.   Petition unterschreiben

 

Bei der ICAN-Petition könne Leser*innen mit ihrer Unterschrift zeigen, dass sie die Bundesregierung auffordern dem Vertrag zum Verbot von Atomwaffen beizutreten. 

„122 Staaten haben im Juli einen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen beschlossen. Bislang fehlt Deutschland bei diesem historischen Abkommen. Wir fordern: Die Bundesregierung muss das Verbot unterzeichnen und den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland veranlassen!

Als deutsche Bürgerin oder deutscher Bürger unterzeichne ich symbolisch den Vertrag zum Verbot von Atomwaffen und drücke damit meinen Willen aus, dass die Bundesrepublik Deutschland diesem Abkommen beitritt.“

Hier geht’s zur Petition

 

 

3.   Atombomber nein danke

 

Die USA möchten in Büchel, Rheinland-Pfalz neue, leistungsfähigere Atomwaffensysteme stationieren. Da sich die deutschen Tornados nur bedingt als Trägersysteme für diese neuen Waffen eignen, plant die Bundesregierung die Anschaffung neuer Kampfjets, evtl. auch der amerikanischen F35-Flugzeuge von Lockheed Martin.

Um sich gegen den Kauf neuer Kampfflugzeuge, deren Kosten sich auf mehrere Milliarden Euro belaufen würde, auszusprechen, können Leser*innen eine E-Mail an ihre*n Abgeordnete*n schreiben und sie damit auffordern, das Thema in den Bundestag einzubringen und darüber abstimmen zu lassen.

Zur Mail an deinen Abgeordneten

 

 

Was sind die bisher effizientesten / effektivsten Maßnahmen zur Abrüstung von Atomwaffen?

 

Der Atomwaffenverbotsvertrag, als internationales Abkommen, ist unserer Meinung nach das wichtigste und effektivste Mittel zur Abrüstung.

 

Und auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass der Atomwaffenverbotsvertrag in näherer Zukunft von den Atommächten unterzeichnet wird, so sieht man doch an historischen Beispielen, das Ächtungen und Verbote, auch wenn sie zunächst gegen den Willen der Besitzermächte beschlossen werden, effektiv sein können.

 

„Das Verbot von biologischen und chemischen Waffen von 1925 hatte anfangs nur 38 Unterzeichner. Die Biologiewaffenkonvention existiert mittlerweile seit 45 Jahren, die Chemiewaffenkonvention seit 25 Jahren, und immer noch sind nicht alle Staaten den beiden Vertragswerken beigetreten. Bedeutet das, dass diese Verträge nichts taugen? Keineswegs. Es wäre heute unvorstellbar, dass ein Staat mit dem Einsatz von biologischen oder chemischen Waffen droht. Die Waffen sind nicht nur verboten, sie sind im wahrsten Sinne des Wortes geächtet und stigmatisiert.“

Mehr zu Pro und Contra des Atowaffenverbotsvertrages hier

  

 

Wenn Ihr nur ein Buch / einen Link / ein Video empfehlen könntet zu diesem Thema, welches wäre es?

 

Kurzgesagt hat in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Roten Kreuz ein sehr eindrückliches Video erstellt, in dem gezeigt wird, was die humanitären Auswirkungen eines Atombombenangriffs wären.

Hier geht’s zum Video

Quick – Q & A zu Atomwaffen:

Hier nochmal die Erkenntnisse dieses Artikels in Kürze zusammengefasst und durch ein paar relevante Fakten ergänzt:

  • Welches Land hat Atomwaffen? / Welche Länder haben Atomwaffen?

Aktuell (Stand Oktober 2019) besitzen neun Länder Atomwaffen: Amerika (6.500), Russland (6.185), die “Volksrepuplik” China (290), Großbritannien (200), Frankreich (300), Israel (85), Indien (135), Pakistan (155) und Nordkorea (25). Weltweit gibt es also 13.865 Atomwaffen. (Mit einer gemittelten ungefähren Gesamtsprengkraft von 2.773.000.000 Tonnen TNTMehr dazu findest du bis zum Jahr 2017 hier. Was uns direkt zur nächsten Frage führt:

  • Wie viele Atommächte gibt es?

Es gibt (Stand Oktober 2019) neun Staaten welche über Atomwaffen verfügen, Russland, China, die USA, Indien, Israel, Pakistan, Nordkorea, England und Frankreich. Eine Atommacht ist dabei ein Staat welcher einerseits Atomwaffen besitzt und andererseits Systeme um diese einzusetzen.

Länder welche die Macht des Atoms zu zivilen Zwecken gebändigt haben gibt es allerdings viel mehr: Es gibt, je nach Quelle im Jahr 2019 450 bis 452 Atomreaktoren in 31 Ländern. Was zu einer Frage führt, die immer wieder kommt:

  • Hat Saudi Arabien Atomwaffen?

In kurz: Nein. Saudi Arabien hat zwar ein Atomprogramm, allerdings besitzt es keine Atomwaffen. Aktuell (Stand Oktober 2019) ist das öffentlich nachvollziehbare Ziel von Saudi Arabien keine Atomwaffen sondern zivil genutzt Kernreaktortechnik auf- / auszubauen.

☢️ Atomwaffen, Kernwaffen, Nuklearwaffen – Fazit: ☢️

Deine Key Takeaways zu Kernwaffen:

  1. Es gibt 9 Atommächte mit mehr als 10.000 Atomwaffen auf der Erde.
  2. Die Atomwaffenarsenale weltweit werden kontinuierlich und seit mehreren Jahrzehnten durchgehend kleiner.
  3. Zeitgleich werden die Kernwaffen selber immer stärker und die Arsenale immer moderner.
  4. Atomwaffen werden nicht nur durchschlagskräftiger sondern zeitgleich auch immer kleiner.
  5. Bereits 100 Atomexplosionen reichen aus um das Leben zur permanenten Hölle zu machen.
  6. Das beste Mittel dagegen bisher ist der Atomwaffensperrvertrag.
  7. Jeder von uns kann etwas gegen diesen Alptraum tun. (Und sogar eine ganze Menge)
  8. Wir haben schon andere technologische Fehlentwicklungen wie chemische oder biologische Waffen ins technologische Grab getragen. Bringen wir Atombomben dort auch hin!

Heißt: Weltweit geht die quantitative Abrüstung weiter. Was gut ist.

Uns aber nichts bringt, wenn zeitgleich qualitativ Atomwaffenarsenale modernisiert werden. (Die einzige Art “Atomwaffenarsenal” und “modernisiert” in einen Satz zu stecken sollte im Kontext der Entsorgung dieser Waffen sein. Denn nur nichtexistente Atomwaffen sind wirklich modern.)

Dir ist es sicher auch lieber wenn deine Steuergelder in Schulen und Parks gesteckt werden. Anstatt in noch bessere Möglichkeiten dein gesamtes geliebtes Umfeld und dich wahlweise in ein brennendes Häufchen Asche oder einen laufenden Krebstumor zu verwandeln.

Richtig? Dann fang an zu handeln!

Für alle die noch etwas weiter in das Thema eintauchen wollen um es ein für alle Mal auf den Friedhof fehlgeleiteter Innovationen zu werfen, hier noch ein paar weiterführende Informationen über die man im Kontext Atomwaffen nachdenken sollte:

Atomwaffen verbannen
Quelle: IPPNW

Will sagen: wir haben es bereits mit verschiedenen selbstgemachten Menschheitsfeinden geschafft. Lasst uns nun auch gemeinsam die atomare Bedrohung von unserer Agenda streichen.

So viel zum Thema Kernwaffen und atomare Abrüstung von mir an dieser Stelle. Was denkst du zu diesem Thema?

Exponentielles Wachstum durch Technologie und Innovation

Exponentielles Wachstum und exponentielles Denken

Dieser Artikel hat zwei Kernpunkte: Erstens soll er einen Startpunkt ins exponentielle Denken und zum Grundverständnis für exponentielles Wachstum dienen. Zweitens möchte ich mit ihm meine Sicht auf den technologischen Bereich exponentiellen Wachstums und exponentiellen Denkens im Allgemeinen geben. Let’s go!


Exponentielles Wachstum bzw. exponentielles Denken ist einer der wichtigsten Skills unserer Zeit.

Egal ob beim Geld (Stichwort Zinseszins), bei der Vorhersage von Populationsentwicklungen und Krankheitsverläufen, oder bei der Extrapolation von technologischen und damit auch gesellschaftlichen Trends. Exponentielle Verläufe ergänzend zu linearen verstehen und nutzen zu können kann sich als Schlüsselfähigkeit herausstellen. Denn sie bilden eine essentielle Grundlage für das Verständnis von aktuellen und künftigen Entwicklungen und Disruptionen aller Coleur.

In einer Zeit von künstlicher Intelligenz, CRISPR und Fusionsreaktoren ist lineares Denken in einigen Feldern nicht nur veraltet, sondern sogar gefährlich. Denn wenn ich entscheide einen Schritt nach vorn zu tun, weil ich glaube, dass ich dann einen Meter weiter den Boden berühre, mein Fuß allerdings auf dem Mond auftritt, dann kann das verheerende Folgen haben.

Aus diesem Grund möchte ich mit den nachfolgenden Zeilen eine kleine Einführung ins „exponentielle Denken“ geben und meine Sicht auf dieses darlegen. Zunächst einmal

Was ist exponentielles Wachstum?

Exponentielles Wachstum ist eine von verschiedenen Wachstumsarten.

Pur und ohne jedweden bewertenden Kontext betrachtet, ist mathematisch dargestellt folgendes:

Das ist exponentielles Wachstum

Exponentielles und lineares Wachstum im direkten Vergleich. Danke, Wikipedia. (Nein im Ernst, Wikipedia ist eine der besten Erfindungen der Menschheit!)

Oder in Tabellenform dargestellt:

Lineares Wachstum

Exponentielles Wachstum

1 1
2 2
3 4
4 8
5 16
6 32
7 64
8 128
9 256
10 512
11 1024

Was sagen uns die rote und die blaue, gestrichelte Linie?

Stell dir einen heißen und trockenen Nachmittag in der Savanne vor. Um dich herum nur ein paar karge Bäume und Sträucher, ansonsten kilometerweit nichts als flimmernde Hitze bis zum Horizont in jeder Richtung. Du schaust dich um. In etwa einem Kilometer Entfernung siehst du wie sich etwas bewegt.

Ein hungriger Tiger läuft mit gefletschten Zähnen auf dich zu.

 

Exponentielles Wachstum und der Tiger

Er läuft immer schneller und beginnt schließlich binnen weniger Sekunden auf dich zu- zu rennen.

Was tust du?

Dein Gehirn denkt, beziehungsweise handelt reflexartig auf Basis linearer Erfahrungen. Du gehst davon aus, das der Tiger erst einen, dann zwei, dann drei usw. Meter näher kommt. Bis er über dich herfällt.

Das ist die lineare Entwicklung. Diese Art des Denkens hat uns viele tausend Jahre sehr gute Dienste geleistet. Sei es um die Welt der nächsten zehn Jahre zu visualisieren. Sei es vor hungrigen Tigern zu entkommen. Das ist die blaue, gestrichelte Linie.

Exponentiell hingegen bedeutet, dass der Tiger mit jeder Bewegung erst einen, dann zwei, dann vier und dann acht Schritte näher kommt. Oder anders formuliert:

Nach elf Schritten steht der Tiger direkt vor dir. 

Elf Schritte. In etwa der Zeit, die du brauchst um den Tiger zu bemerken und dir einen Plan zu machen, ist er bereits bei dir und du kannst seinen heißen Atem direkt in deinem Gesicht spüren.

Das ist exponentielles Wachstum. Die rote Linie.

Eine ziemlich gute und weniger gefährliche Veranschaulichung von exponentiellem Wachstum hat  hat Peter Diamandis in einem seiner TED Talks gegeben:

https://www.ted.com/talks/peter_diamandis_abundance_is_our_future?language=de

Ein weiterer Verfechter dieser These, wenn auch aus einem völlig anderen Gebiet, ist Ian Morris. Dieser hat mit seinem Buch “Wer regiert die Welt” die gesellschaftliche Entwicklung untersucht und kommt zu einem ähnlichen Fazit wie Diamandis. Diese beiden stellen gute Eckpfeiler zum Start ins exponentielle Denken dar. Und zum Verständnis exponentiellen Wachstums generell, weil man so nicht im abstrakten bleibt.

Exponentielles Wachstum und die Entwicklung der Menschheit nach Ian Morris

Doch eins nach dem anderen. Wenn exponentielles Wachstum so elementar ist, in welchen Feldern begegnet es uns dann?

Exponentielles Wachstum – Wo und warum?

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Felder in denen exponentielles Wachstum relevant ist, vor allem aber in folgenden dreien:

  • Mathematisch
  • Wirtschaftlich
  • Technologisch

Ich beziehe mich hier auf den technologischen Teil des exponentiellen Wachstums.

Dabei sind vor allem Moores Law, Roses Law, Wrights Law und Goddard’s Law relevant. [Hier ist eine gute Übersicht zu diesen)

Vor allem zu Moores Law gibt es mittlerweile mehr Artikel und Informationen als man verlinken kann, daher hier ein etwas seltener genutztes Beispiel zur Veranschaulichung, Roses Law:

Exponentielles Wachstum am Beispiel der Quantentechnologie.

Roses Law beschreibt exponentielles Wachstum für Quantentechnologie, genauer die Anzahl von Qubits pro Rechner pro Zeit. Hier in logarithmischer Darstellung. Quelle öffnet sich beim Klick auf’s Bild.

Dieses besagt, grob gesprochen, dass die Anzahl der nutzbaren Qubits pro Fläche über die Zeit exponentiell steigt. Also sehr ähnlich Gordon Moores Gesetz zur Rechnerleistung und der Anzahl von Transistoren. Wer in dem Gebiet tiefer drin steckt, dem brauch ich jetzt nichts weiter zu erläutern, für alle die dies zum ersten Mal hören, eine kleine Übersicht:

Was

Aussage

Moores Law

Anzahl der Transistoren pro Chip verdoppelt sich in Zeit x.

Roses Law Anzahl der QBits pro Chip verdoppelt sich in Zeit x.
Wrights Law Je mehr wir produzieren, desto stärker sinken die Preise des produzierten. Denn je mehr wir etwas produzieren, desto besser verstehen und verbessern wir es.
Goddard’s Law Stückkosten sinken im gleichen Maße wie die Produktion steigt.

Mich interessiert vor allem deren Auswirkungen und Interpretation.

Ich glaube, dass einzelne Effekte enorm viel im Mikrokosmos bewirken können. Wenn man diese Effekte nun auf eine ganze Gesellschaft oder gar die Welt hochskaliert, wird exponentielles Wachstum in verschiedensten technologieverwebten Bereichen gerade Mal die Ausgangslage der letzten Kicks gewesen sein.

Nachdem wir exponentielles Wachstum betrachtet haben, schauen wir uns an, was dieses für unseren Alltag bedeutet. Denn es führt direkt zu einer ungewohnten Denkform,

Exponentielles Denken

Exponentielles Denken besteht für mich aus zwei Skills:

  1. Verständnis für aktuelle und kommende Entwicklungen. Seien sie technologischer, wissenschaftlicher oder gesellschaftlicher Art.
  2. Extrapolation und Vorausschau auf Basis dieses Wissens. Ein Gefühl für die Welt in der wir leben (werden).

Was bedeutet das konkret? Wenn ich weiß, was auf uns zukommt, sowohl global, lokal, digital und analog, dann kann ich handeln. Wenn ich befähigt bin zu handeln, kann ich in mich hineinschauen und mich fragen, was ich tun möchte um mich selbst zu erfüllen und die Welt besser zu machen. Und dann tue ich einfach.

Lineares und exponentielles Wachstum verstehen

Mit diesem Wissen und Verständnis ist die Kombination aus Leidenschaft und Kontinuität das, was die Welt verändert. Oder um es mit Paolo Coelho zu sagen:

Du veränderst die Welt durch dein Vorbild. Nicht durch deine Meinung.

Mehr zu exponentiellem Denken (vor allem in Englisch) findest du hier, hier, hier und hier.

Exponentielles Denken ist nicht ganz einfach, zu Beginn kontraintuitiv und zunächst ungewohnt, hilft aber enorm. Da auch der Mensch sich exponentiell entwickelt hat und dementsprechend Probleme wie der Klimawandel nur noch exponentiell zu verstehen sind, ist diese Art des Denkens essentiell.

Nachdem wir jetzt also wissen was exponentielles Wachstum und Denken ist, möchte ich hier meine eigenen Gedanken zu diesem Thema niederschreiben. Denn ich glaube, exponentielles Wachstum in verschiedenen Feldern zur gleichen Zeit führt zu einigen interessanten und zu wenig / gar nicht betrachteten Effekten. Was meine ich damit?

Meine These zum technologischen exponentiellen Wachstum

Mal angenommen wir folgen dem von Ray Kurzweil und Kollegen skizzierten Pfad aktuell. (Ray Kurzweil war einer der ersten, der exponentielles Wachstum auf Technologien übertragen und Thesen daraus entwickelt hat. Er ist auch einer der bekanntesten Denker zum Thema)

Dann übersehen er und seine geschätzten Kollegen meiner Meinung nach (mindestens) sechs gravierende Faktoren bei Ihren Prognosen:

  1. Die richtigen Werkzeuge
  2. Ausbrecher
  3. Starke Wechselwirkungen
  4. Autarkie
  5. Motivation
  6. Wettbewerb, Freizeit, Erfüllung & Harmonie und multiple Synergien

Es stimmt, Sie haben Ihre eigenen Prognosen zum Teil bereits korrigiert, da der Fortschritt schneller vonstatten geht, als gedacht, dennoch fehlen die hier angebrachten Punkte in Ihrer Betrachtung nach wie vor.

Schauen wir uns Schritt für Schritt an, was jeder dieser Faktoren mit exponentiellem Wachstum in der Technologie, Komplexität und dem Fortschritt generell zu tun hat:

1. Die richtigen Werkzeuge 🔩

Mit den richtigen Werkzeugen ist exponentielles Wachstum erst der AnfangDas Erste was ich an der Betrachtung der Ausgangslage der Singularität zu bemängeln habe, ist die beinahe ausschließlich makroökonomische Betrachtung des ganzen.

Obwohl ausgehend von u.a. vielen Einzelleistungen als Nachweis der Richtigkeit.

Systemisch betrachtet mag es zum jetzigen Zeitpunkt stimmen, gewisse Kurven bewegen sich mit einiger Genauigkeit prognostizierbar. Doch dabei werden schlicht bestehende Trends fortgeschrieben und geringfügig adjustiert.

Was in dieser Betrachtung von oben fehlt, ist die Phantasie des Mikromaßstabs.

Wenn auch nur ein Prozent mehr der aktuellen Weltbevölkerung 50% der aktuell verfügbaren Möglichkeiten nutzen würde, sähe das exponentielle Wachstum in nahezu jedem denkbaren Bereich anders aus.

Mit aktuell verfügbaren Möglichkeiten meine ich zum Beispiel Bücher, Blogs, Youtubekanäle etc. – All das was ich auf meiner Ressourcenseite aufgeführt habe und noch mehr in dieser Richtung.

So etwas wie ein digitaler Inkubator, von jedem Ort der Welt aus verfügbar, würde auf die richtigen Geister und Möglichkeiten treffend, die Kurve des exponentiellen Wachstums stark verändern.

Betrachtet man dann noch die Theorie der Disruption, so erscheint ein wesentlich schnelleres und gravierenderes Bild des Umbruchs und Fortschritts.

Wenn besagte potenzielle Innovatoren auf das richtige Netzwerk treffen (Mitarbeiter, Investoren, Infrastruktur, Crowdfunding etc.) und die richtigen Projekte realisieren (man stelle sich ein Pokemon Go für Zukunftstechnologien vor), werden viele Dinge auf den Kopf gestellt.

Ich glaube das wenn die richtigen Informationen, die richtigen Prozesse und vereinfachende Methoden den richtigen Leuten (Jeder der Interesse an einer neuen Technologie hat und damit etwas hin zum positiven bewegen möchte, aus welchem Motiv auch immer – Ein Knowledgeman) zur Verfügung stehen und richtig angewandt werden, kann sich schon allein dadurch viel ändern.

Denn aktuell gibt es viel zu viele Informationen, und man weiß nie vorher was man wirklich brauchen kann ,bevor man nicht selbst viel Zeit darin investiert hat.

Kombiniert man diese Subthese mit der Tipping Point Theorie von Malcolm Gladwell, so bedeutet dies eine potenzielle Verfielfachung des möglichen Impacts sehr weniger.

Was die eine Frage offen lässt: Wie verwandeln wir Potenzial in Realität?

In kurz: Wenn die richtigen Leute die richtigen Mittel in die Hand bekommen schaffen wir so die richtigen Werkzeuge um mit sehr wenig Aufwand einen gigantischen positiven Ertrag für die Zukunft der Menschheit zu erzeugen.

2. Ausbrecher 🔑

Ausbrecher-Technologien stellen das exponentielle Wachstum auf den KopfAusbrecher sind für mich hier Technologien wie z.B. der Hochtemperatur-Supraleiter oder erste Produkte der Pico- oder Femtotechnologie welche in der Massenanwendung nicht wirklich mehr so weit weg scheinen wie man vielleicht glauben mag.

Wenn eine solche Technologie, bzw. eine solche Technologieklassen-Grundlage kommt, dann bricht wahrscheinlich das Innovations- Wirtschafts- und Wohlstandswachstum kurzzeitig stark nach oben aus.

Warum? Schauen wir uns das Beispiel Nanotechnologie an. (Wobei Nanotechnologie in diesem Rahmen als sämtliche Technologie im Nanobereich gesehen wird)

Nanotechnologie ist der Treiber der Großteils unseres Fortschritts. Von Computerplatinen über Quantencomputer und Metamaterialen bis hin zu Technologien wie CRISPR sind mittlerweile geschätzt 80% aller relevanten und vielversprechenden Fortschritte im Nanobereich angesiedelt.

Und da der Aufbruch in neue Skalen nach unten wie nach oben im Laufe der Menschheitsgeschichte kontinuierlich für eine gigantische Vielzahl an Innovationen gesorgt hat, wird das hier nicht anders sein.

Exponentielles Wachstum wird durch Ausbrecher multipel überexponentiell wenn man es in einem Satz zusammenfassen sollte.

Ich stimme mit Michiu Kaku in der These überein, dass die größten Fortschritte durch Entwicklungen in einem oder mehreren von drei Gebieten geschehen:

  1. Logistik
  2. Energieversorgung
  3. Kommunikation

Meine ausführliche Begründung dafür findest du hier.

Ausbrechertechnologien bieten die technologische Grundlage, die wissenschaftliche und theoretische Infrastruktur für Innovationen in sämtlichen Gebieten.

Und obwohl viele Experten, Kurzweil inbegriffen, Ihre Prognosen inzwischen immer wieder selbst nach oben korrigieren, übersehen sie meiner Meinung nach diese grundlegenden Potentiale.

Diese geschehen oftmals in Details, doch es ist nicht ausgeschlossen, schon gar nicht im Rahmen eines potenziellen kalten KI-Krieges, dass so etwas in einer Technologie über eine Ausbrechertechnologie in den nächsten Jahren passiert.

In kurz: Ausbrecher sind Grundlagen für- und Klassen von Technologien die an sich bereits enormes Potenzial bergen, in Ihrem Kielwasser allerdings zusätzlich gigantisches Disruptionspotenzial mit sich bringen.

3. Starke Wechselwirkungen 🧲

Starke Wechselwirkungen und exponentielles WachstumBei der Lektüre seines Buches „Menschheit 2.0“ ist mir aufgefallen, dass Ray Kurzweil vermutlich nur „schwache“ Wechselwirkungen zwischen den Wissenschaftsdisziplinen voraussetzt, dass heißt zwar durchaus gegenseitige Befruchtungen, aber nichts was den „smoothen skizzierten trend“ verändert.

Wenn aber eine Technologie wie zb ein neues Material (überall sind materialien die grundlage und wichtig) oder ein neuer, vereinfachender prozess (der überall angewandt werden kann und deutliche effizienzsprünge erlaubt) implementiert wird, wirkt sich das ja quer durch alle disziplinen positiv aus

Aktuell wunderbar zu sehen, da wir quasi live dabei zu sehen können wie eine einzige entwicklung dutzende wenn nicht hunderte disziplinen auf einmal umwälzt.

Die rede ist von Graphen und den ihm folgenden einatomlagigen Materialderivaten wie Silicen

4. Autarkie & Potentialentfaltung 💡

Autarkie und Potentialentfaltung im Zeitalter exponentiellen WachstumsWir haben mittlerweile die Technologie jeden menschen in jedem seiner Aktiotope autark zu machen.

Schauen wir uns kurz die damit verbundenen Implikationen an:

  • Autarkie befriedigt automatisiert die Grundbedürfnisse des Nutzers
  • Dadurch wird dessen Freiheit, Unabhängigkeit, Sicherheit und Freiheit statt wie bisher intersubjektiv jetzt materiell garantiert
  • Dadurch entsteht die Grundlage für freie und intrinsisch motivierte Handlungen
  • Richtig genutzt, befähigt und kanalysiert kann so jeder genau das tun, was ihn glücklich macht
  • Dadurch wird das Kollektiv glücklich und der Fortschritt maximiert, da sich jeder Einzelne entfalten und mit anderen zusammenarbeiten kann und somit statt das Zwang und Druck aus Freude und Neugier “gearbeitet” wird
  • Autarkie ist die beste denkbare Möglichkeit Glück und Fortschritt gleichermaßen zu maximieren während zeitgleich die meisten der aktuellen größten Probleme gelöst werden

Detaillierter gehe ich auf meiner Seite zum Thema Autarkie wie auch in meinem Buch auf meine Idee der individuellen Autarkie ein.

In kurz: Autarkie ermöglicht materiell garantierte Sicherheit, Freiheit und Unabhängigkeit des Anwenders. Die richtigen Umgebungsparameter vorausgesetzt kann sich dieser frei entfalten und somit aus Spaß am kollektiven Fortschritt mitwirken. Dies wird das Nettoglück der Menschheit ebenso wie deren Fortschritt vielfach multiplizieren.

Doch damit nicht genug, nun hat der Nutzer theoretisch die zeit und die Chance sich selbst zu entfalten und in vollkommener Freude selbst zu vollenden, doch wie, ohne eine gewisse Führung? Aus Leere wird nur im subatomaren raum direkt etwas, und das auch dort nur kurz.

Und daraus resultierend: der Faktor Spaß

5. Motivation 🏃

Exponentielles Wachstum und MotivationIn der heutigen Gesellschaft trifft man viel, viel viel VIEL zu wenige positiv gestimmte Menschen!

Doch was wenn sich das ändert? Schon heute kann ein Einzelner oder eine kleine Gruppe motivierter Individuen die Welt auf den Kopf stellen. Man denke nur an die Gründer der heute größten Internetunternehmen oder Menschen wie ihn oder Sie oder Sie

Die hatten Spaß und waren wissbegierig in ihren Gebieten!

Was passiert wenn man den Anteil dieser Menschen von einem Zehntel Prozent der Weltbevölkerung auf eines bringt? Oder 5? Oder 50? 

Generell stellt das die Frage nach den Auswirkungen von psychologischen Veränderungen, ray geht davon aus das alles geistig so bleibt wie es ist, was aber wenn die fröhlichen, interessierten und wirklich gebildeten menschen nun auch noch anreize wie einen Wettbewerb bekommen? Etwas das die meisten aufgrund evolutionärer (du oder ich) Prozesse sehr effektiv zu motivieren imstande ist.

Ich glaube auch das wirkt zusätzlich multipikativ auf all das oben genannte.

Du siehst, ich glaube das mehr drin ist als das was uns viele Techno-Optimisten erzählen. Und ich möchte es ermöglichen.

Und was wenn all diese menschen noch vernetzt sind und gemeinsam mit spaß an fortschritt und glück arbeiten?

All dies bringt mich zur formulierung meiner Ausgangsthese, wenn all diese Faktoren zusammenkommen, wächst das exponentielle wachstum, und wenn auch nur kurzfristig und verzögert, nochmals exponentiell. Warum?

Weil mittlerweile jeder Mensch einfach dinge tun (und das teilweise effektiver! erkläre ich detailliert in einem meiner kurs warum) kann die bis vor kurzem firmen, universitäten oder staaten vorenthalten waren. Weil er dank netzwerken und schnellen produktionsmethoden sowie effektiven Transportunternehmen binnen wochen und monaten die welt damit umkrempeln kann. Weil: siehe oben.

 

6. Wettbewerb & Freizeit, Erfüllung und Harmonie 🥅

Exponentielles Wachstum plus Wettbewerbe und Freizeit

Wettbewerbseinfluss.

Perfektes beispiel sind die im rahmen des XPRIZE gemachten fortschritte. Die raumfahrt wurde und wird dank ihm privatisiert, ich finde das kann man für sich genommen schon stehen lassen.

Freizeit und Stressfreiheit:

Abseits von weniger stress, was sich konkret u.a. In längerer lebensdauer niederschlägt, kann ein durchschnittlicher arbeitnehmer heute nach min. 8h arbeit und ca 2stunden hin/rückfahrt, terminen und einkäufen sowie der essenszubereitung, ggf. Dem partner und kindern, sport und andere hobbies im bestfall, und evtl. Noch etwas entspannung heute ca 1-3 stunden maximal pro tag für eine leidenschaft nutzen.

Dies wird sich allein dank autarkie mindestens exponentiell erweitern auf bis zu 11h/tag wenn gewollt oder 15h/tag wenn wirklich eine obszession beginnt.

Was heißt das für dich?

  1. Halte stets Ausschau nach Bereichen die mit Daten in Berührung kommen.
  2. Extrapoliere exponentiell. Siehe Abschnitt exponentielles Denken und hier bei Wait but Why
  3. Bilde und ggf. investiere in exponentielle Bereiche.

Im Optimalfall in Bereiche die interdisziplinäres Wissen benötigen, disruptives Potenzial bieten und multiple Bereiche betreffen. Zum Beispiel augmented / virtual Reality: Diese Technologien lassen sich nahezu mit allem kombinieren und überall einsetzen.

Ich glaube die nächsten „Big 5“ sind Next Level Computing Systeme, 3D- & 4D-Druck, Robotics, Next Level Energy Systeme und Künstliche Intelligenz. (Was künstliche Intelligenz ist, erfährst du hier)

Fazit:

  1. Faktoren wie den von peter Diamandis oftmals beschworenen Wettbewerbseinfluss, tipping points wie von Malcolm Gladwell beschrieben oder hier gar nicht weiter ausgeführten Nebeneffekten der oben genannten Faktoren gar nicht einberechnet. (Da diese zweifelsohne gewichtig sein mögen, aber nicht in der gleichen Skala meiner Meinung nach)
  2. Mit den richtigen Werkzeugen geht alles besser
  3. Mehr erfüllte Menschen führen zu besserer Technologie führt zu mehr erfüllten Menschen. Siehe hierzu auch das sehr gut gemachte Video von Kurzgesagt.

Es ist, wie sowieso immer, alles eine Frage der Allokation. In diesem Falle allerdings konkret der Human Ressources, da jeder Mensch der an „falschen“ bzw. „negativen“ Technologien arbeitet, dort weg- und zur Entwicklung

 

Wie siehst du das ganze?

Haftmarker zum Lesen und Verstehen und für bessere Exzerpte

Warum du von jetzt an Exzerpte zum Lesen und verstehen nutzen solltest

Exzerpt. Dieses zungenbrecherpotentialbietende Wort beschreibt nichts anderes als eine systematische schriftliche Reflexion zu einem Buch. (Oder einem sehr langen / komplexen Artikel)

Für mich war exzerptieren so etwas wie eine kleine pesönliche Disruption – ein extrem hilfreicher AHA! Moment. Denn mit Exzerpten vertieft man sein Wissen, rekapituliert es und speichert es dank aufschreiben besser. Aber eins nach dem anderen.

Ich exzerptiere dabei nicht jedes Buch. Vor allem Bücher, die mich in neue Themengebiete bringen oder in bekannten Gebieten sehr tief gehen, eignen sich meiner Erfahrung nach am besten.

Welche Vor- und Nachteile bringen Exzerpte mit sich?

Wie alle Sachen im Leben bringen natürlich auch Exzerpte gewisse Vor- und Nachteile mit sich. Die meiner Erfahrung nach deutlichsten:

Vorteile:

  1. Intensivere Auseinandersetzung mit dem Inhalt, da du dir über die Art der zusammenfassenden Niederschrift dessen Gedanken machen musst.
  2. Schneller Zugriff und Überblick beim Nachschlagen.
  3. Vereinfacht das Wiederholen und ins Gedächtnis rufen der Inhalte sehr.
  4. Wenn du mit eigenen Visualisierungen arbeitest, lernst du dabei viel.
  5. Du hast mit einem Exzerpt ein eigenes, nach deinen Prioritäten geordnetes Inhaltsverzeichnis, welches dir sofort Zugriff auf die wichtigsten Inhalte gibt.

Nachteile:

  1. Dranbleiben. Kontinuierlich und über Bücher hinweg zu exzerptieren braucht Ausdauer.
  2. Zusatzaufwand zum Lesen. Kann eine Lesesession schonmal verdoppeln, wenn der Inhalt gut ist.
  3. Defokussierung vom Lesen selbst. Das kann ziemlich nervig sein und ein Drahtseilakt das richtige Verhältnis zwischen lesen und exzerptieren zu finden.
  4. Situative Kreativität. Wenn du nachts müde einfach nur lesen möchtest, aber eine wirklich gute Idee zum visualisieren und exzerptieren hast, dann kann dich deine eigene Kreativität schonmal aufregen.

Ob das Arbeiten mit Exzerpten für dich geeignet ist, findest du nur durchs Tun heraus. Mein Tipp: Mache Exzerpte für drei Bücher und schau dir dann an, wie es für dich funktioniert.

Warum habe ich mein eigenes Exzerpt designed?

Ich habe im Laufe der Zeit für mich festgestellt, dass die meisten Designs da draußen nicht optimal für mich sind. Ich markiere und hebe viel in Texten hervor, mache mir Notizen zu Personen und Themen, die ich gezielt weiter recherchieren möchte und versehe das Ganze mit bunten Klebezetteln, so dass ich das alles schneller finde. Außerdem nutze ich sehr gern Mind Maps, um meine Gedanken zu Papier zu bringen.

Diese Kombination hat es für mich notwendig gemacht, mir ein eigenes Exzerptdesign anzulegen, da alle anderen zu sperrig für mich waren.

Wie nutzt du mein Design am besten?

  1. Die zwei linken Spalten

Bedrucke dabei nach Möglichkeit nur einseitig, denn auf der Rückseite haben so große Mind Maps oder freie Ergänzungen zu deinen Kapitelanmerkungen Platz.

Ich persönlich nutze dabei mein eigens entwickeltes, welches du hier kostenlos herunterladen kannst.

Sehr zu empfehlen sind aber auch die Exzerptvorlagen von David Seah, mit denen ich angefangen habe.

Lesen und Verstehen

Was mir weiterhin sehr beim Lesen und Verstehen hilft:

Verschiedene Klebezettel

Bunte Haftmarker zum Lesen und Verstehen und für bessere Exzerpte

Mal kleinere, mal dünnere, bunt für Reihenfolge und Gewichtung.

 

Textmarker

Textmarker für Exzerpte und zum besseren Lesen und Verstehen von Texten

Und dann gibt es als Vorbereitung auf ein Buch auch noch Blinkist.

Blinkist

Blinkist ist eine App, welche Kurzzusammenfassungen von Büchern bietet. Neben Rezensionen und Berichten zu einem Buch oft ein guter Startpunkt.

Was ich NICHT nutze

Speed Reading

Ich lasse das Buch bzw. dessen Inhalt gern Eins mit mir werden und bin kein Fan von Lese-Fast-Food.

Einband als Spickzettel

Diese von Tim Ferriss genutzte Methode sagt mir persönlich nicht zu.

Vielleicht dir aber schon probier sie aus 🙂

Fazit

Exzerpte helfen beim Verinnerlichen, Auseinandersetzen mit dem Inhalt eines Buches sehr. Dafür dauert es ein wenig bis man sich daran gewöhnt und es kostet mehr Zeit es konsequent anzuwenden. Allerdings kommst du so wesentlich schneller in ein bereits gelesenes Buch und seine Inhalte hinein, wenn du dir das Exzerpt zur Hand nimmst. Mein Tipp dazu: hefte die Exzerptseiten, nachdem du mit ihnen fertig bist, mit einer Büroklammer zusammen, falte sie auf eine Größe, die ins Buch passt und lege diese ganz vorn ins Buch.

Bücher sind nach wie vor einer der effektivsten Wege, zu lernen und zu erfahren. Und ich mache gern herausragende Dinge noch besser. (Sofern ich dazu etwas beisteuern kann)

Ich habe dir links eine kleine Infografik gebaut, welche du gern nutzen kannst. Bei mir hängt sie direkt neben dem Bett. Frohes Lesen!

Ich hoffe ich konnte dir ein paar neue Impulse geben, eine Frage am Schluss habe ich noch: Wie stehst du zu Exzerpten?